Dorfkirche Steffenshagen

Die Kirche zu Steffenshagen gehört zu den größten und stattlichsten Dorfkirchen Mecklenburgs. Der eingezogene Rechteck-Chor und die drei östlichen Joche des dreischiffigen Langhauses sind im gotischen Stil zwischen Anfang und Mitte des 13. Jahrhunderts aus Backstein auf einem Granitsteinfundament errichtet worden. Drei weitere Joche und der Westturm mit achtseitigem Spitzhelm wurden im 19. Jahrhundert nachgebaut. Die Joche sind durch Strebepfeiler abgeteilt. Der Ostgiebel des Langhauses zeigt verputzte Staffelblenden.
Am Chor begegnet uns ein umfangreiches Kunstwerk: Reliefziegeln, die Tier- und Pflanzenornamentik zeigen, stellen Motive des Geistlichen Kampfes dar. Das Eingangsportal zum Chor, die sogenannte Priesterpforte, führt diesen Kampf weiter. In den Gewänden des Portals stehen in einem Kapitellband zu beiden Seiten je sechs Apostelfiguren und "bewachen" den Eingang. Die Wände des Chores umschließen den Altar als Stätte der Gegenwart des Göttlichen Christus, dem der Angriff der widergöttlichen Gewalten gilt, die bis zur Außenwand der Kirche vordringen können, dort aber gestellt und vernichtet werden. Der Eingang zur Kirche steht unter dem Schutz der heiligen Wache der Jünger und ihres Meisters.
Der Flügelaltar stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und zeigt im Mittelschrein eine Strahlenkranz-Madonna auf der Mondsichel stehend (Off.12,1-6).
1870 wurde der Altar durch einen neugotischen Altar mit einem Kreuzabnahme-Bild des mecklenburgischen Hofmalers Lenthe ersetzt, 1957 wurde er wiederentdeckt, renoviert und an ursprünglicher Stelle aufgestellt.
Bei der Renovierung der Kirche von 1965-1973 wurde u.a. auch die neugotische, 2,50 m hohe Kanzel am nordöstlichen Pfeiler abgerissen.
Die heutige Kanzel stand ursprünglich im Schwarzen Kloster in Wismar und stammt vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Der ehemals vorhandene Schalldeckel ging verloren.
Die Tauffünte zählt zu den ältesten in ganz Norddeutschland und ist mit Sicherheit älter als der Kichbau. Die reliefartige Kreuzigungsdarstellung weist auf spätromanische Zeit hin, weiterhin sind elf Köpfe und die Tatzen am Fuß ausgearbeitet.
Die Kreuzigungsgruppe über dem Triumphbogen stammt (mit Ausnahme des Kreuzes) aus dem Anfang des 16.Jh.
An der Ostwand befinden sich zwei alte Priestergrabplatten. Nikolaus von Steffenshagen, der erste nachweisbare Geistliche dieser Gemeinde, gest.1330, und Alardus Schademüller, gest.1390. Die Steine wurden im 19.Jh. umgesetzt.
Vermutlich zu einer Barock-Kanzel gehörten die vier Evangelisten-Figuren in den Nischen im Chorraum.
Die Orgel wurde vom Schweriner Hoforgelbaumeister Marcus Runge gebaut und 1909 geweiht. Sie wurde 1991 von der Firma Kempe aus Lübeck restauriert.
Die Winterkirche wurde 2012 umgestaltet, ebenso die Orgelempore.
Vor der Kirche steht im Süden das Kriegerdenkmal für die Opfer beider Weltkriege. Zwei an der Nordwand aufgestellte Tafeln verweisen auf die gefallenen Gemeindemitglieder während des Großen Krieges von 1914-1918. Eine weitere Tafel erinnert an die Veteranen der Frankreich-Feldzüge gegen Napoleon und 1870/71. Ein Sühnezeichen erinnert zudem an zwei im August 1944 abgeschossene US-Piloten.
(weitere Quelle: Informationsblätter in der Kirche)

Quellen:
Dorfkirchen in Mecklenburg, Buch, Horst Ende, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1975
Evangelische Kirche Steffenshagen, Flyer, Ev. Kirche Steffenshagen-Retschow,