Dorfkirche Russow (Gemeinde Rerik)

Die Dorfkirche von Russow ist geprägt durch das Jahrhunderte lange Patronat der Familie von Oertzen, die zu den führenden Adelsgeschlechtern in Mecklenburg zählte und in dem zum Russower Kirchspiel gehörenden Gut Roggow ihren Stammsitz hatte.
Die frühgotische Kirche, aus Feldstein und Backstein errichtet, ist ein Rechteckbau mit zwei Jochen und je zwei Kreuzrippengewölben im Chor und im Schiff. Der Chor in Schiffsbreite schließt gerade ab und ist im unteren Bereich aus sauber geschichteten Feldsteinquader erbaut. Der Ostgiebel zeigt drei gestaffelte Putzblenden, das Fenster ist neugotisch verändert. 
Zwischen 1901 und 1904 erfuhr die Kirche bauliche Veränderungen in neugotischer Form nach Plänen des Hofbaumeisters Möckel aus Bad Doberan und mit Mitteln des Patronats. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch die Gestaltung der südlich angebauten Patronatsloge, wohingehend die Nordsakristei wohl bauzeitlich ist.
Desweiteren wurde ein neuer Turm gebaut, dessen achtseitiger Spitzhelm aber schon 1972 wieder abgetragen werden musste und jetzt mit einem quer zur Achse gestellten Satteldach verschlossen wurde.
Im Chor wurden mittelalterliche Gewölbemalereien freigelegt und restauriert. In den Kappen der beiden Gewölbejoche sind zum Einen Christus als Weltenrichter im Kreise seiner Apostel und zum Anderen biblische Szenen wie der Sündenfall und Heiligenfiguren dargestellt. An der südlichen Seite der Ostwand ist eine große Christophorus-Figur abgebildet. Beherrschend ist im Inneren die an der Südseite des Altarraums aufgestellte zweigeschossige Patronatsloge, der sogenannte Oertzenstuhl von 1700. Der Altaraufsatz stammt von 1904. Der mit reichlich neugotischem Zierwerk ausgestattete, geschnitzte Aufsatz zeigt vier Reliefs. An das in der Mitte emporwachsende Kreuz ist ein modern gestalteter Korpus angeheftet. Die prächtige Kanzel zeigt an den Wangen die vier Evangelisten, am Aufgang die Apostel Petrus und Paulus. Der Schalldeckel von 1624 ist reich mit Schnitzwerk besetzt und wird bekrönt von einem Pelikan. An die Kanzel schließt sich in östliche Richtung der Pastorenstuhl an. In die Ecken der Holzbrüstung sind zwei Allianzwappen geschnitzt und auf die Brüstungswand zwei Wappen derer von Oertzen aufgemalt. Eine Tauffünte aus Kalkstein aus dem 13.Jahrhundert steht an der Nordseite des Chores. Die zweibahnigen Fenster der Nordwand sind mit szenische Glasmalereien versehen. Das westliche Fenster zeigt den Auferstandenen im Kreise seiner Jünger, es wurde 1904 von Therese Tretow aus Zweedorf gestiftet und in der Werkstatt von C. Busch geschaffen. Das östliche Fenster zeigt das Geheimnis von Weihnachten, im Scheitelkreis ist das Wappen derer von Oertzen zu sehen. Wappenscheiben gibt es auch in den beiden Fensterbahnen des Südfensters im Seitenschiff. Auf Grisaille-Malerei ist in der linken Bahn das Allianzwappen v.Oertzen/v.Bentz und in der rechten Bahn das Wappen Jasper v.Oertzen zu sehen. Das Seitenschiff ist ebenfalls eingewölbt und mit Gewölbemalerei versehen. Derzeit befindet sich eine kleine Kunst-Ausstellung in dem Raum.
Die Orgel mit ihrem streng norddeutsch gestalteten Prospekt wurde 1700 von Johann Engelbrecht Gerhardt gebaut und gehört somit zu den ältesten Kirchenorgeln in Mecklenburg. Das Instrument wurde 1892 von BRUDER umgebaut und ist zurzeit nicht bespielbar. Die Brüstungsfelder der Westempore zeigen den weitverzweigten Stammbaum der Patronatsfamilie von Oertzen in Form von aufgemalten Familienwappen.
An der Südwand zwischen Seitenschiff und Altarraum hängt eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der gesamte Innenraum wirkt trotz des Wandelns durch die Epochen in sich sehr geschlossen und harmonisch.
Im Turm hängt eine Glocke, 1435 von Timmo Ihegher in Lübeck gegossen, auf ihrem Mantel finden sich Ritzzeichnungen und Pilgerzeichen, deren Bedeutung noch nicht restlos geklärt ist.
Der Kirchhof wird von einer Feldsteinmauer umschlossen. Auf dem Friedhof befinden sich ein Erbbegräbnis mit Wappenrelief und zahlreiche Grabplatten der herrschaftlichen Familie v. Oertzen.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen Wismar-Schwerin, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001