Dorfkirche Dreveskirchen (Gemeinde Blowatz)

Die Barock-Orgel von Paul Schmidt

Paul Schmidt (1716-1798) war ab 1730 Schüler und später Mitarbeiter des von 1700 bis 1743 in Rostock ansässigen, aus Quedlingburg zugezogenen Orgelbauers Caspar Sperling.Nach Sperlings Tod betrieb SCHMIDT von 1745 bis 1790 in Rostock seine eigene Werkstatt. 1749 erfolgte seine Ernennung zum "herzoglich-mecklenburgisch privilegierten Orgelbauer" und wurde damit zum wichtigsten Orgelbauer der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin. Wesentliche Arbeiten sind an etwa 35 Orgeln (davon 20 Neubauten) nachweisbar. Neben den Stadtkirchen St. Marien Rostock, St. Johannes Malchin und der Pfarrkirche in Güstrow hat er auch die Dorfkirchen in Petschow (1783), Hohen Luckow (1772) oder Neukirchen (1769) mit Instrumenten ausgestattet.
Das Instrument in Dreveskirchen ist SCHMIDTs vierte Kirchenorgel nach drei nicht mehr erhaltenen zweimanualigen Instrumenten in Dobbertin, Parchim und Waren, die Orgel entstand 1754. Die Auswahl der Register enthält die für die Musik des 17./18. Jahrhunderts wichtigen Prinzipal- und Flötenstimmen. Besondere Farbigkeit wird durch die 4 Zungenstimmen (Trompete, Vox humana und Posaune) erreicht. Das voll ausgebaute Pedal ermöglicht sowohl die Verwendung als Bass-Klavier, als auch die Hervorhebung einer Melodie in den Mittel- und Oberstimmen.
Wie viele der alten Orgeln in Mecklenburg wurde auch die Dreveskirchener im 19. Jahrhundert (1840) durch den in Wismar ansässigen Orgelbauer WINZER (als dessen erste selbstständige Arbeit) im Geschmack der Zeit umgebaut. Diesem Umbau fielen die vier Zungenregister und ein Teil der Labialpfeifen zum Opfer, die aber teils verändert oder in anderer Funktion weiter verwendet wurden. Angesichts des großen historischen Bestandes konnte man sich bei der Restauration 1999/2000 zu einer Wiederherstellung des Originalzustandes entschließen. Diese Rekonstruktion wurde in vorbildlicher Weise durch die Firma Kr. Wegscheider in Dresden durchgeführt.