Dorfkirche Lüdershagen b. Ribnitz-Damgarten
St. Georg

Die Bauzeit der dem Heiligen Georg geweihten Kirche in Lüdershagen wird auf die Zeit zwischen 1250 und 1400 geschätzt. Die (seltene) zweischiffige Backsteinhalle von drei Jochen wurde wohl in der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert errichtet. Der eingezogene Chor mit polygonalem Ostschluss und das Untergeschoss des Westturmes kamen in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts hinzu. Der Turm wurde mehrfach umgebaut, 1752 erhielt er eine geschwungene Haube auf einem Lehmfachwerk, 1856 erfolgte eine Schiefereindeckung und der Helmneubau, 1909 wurde die Glockenstube dann massiv aufgemauert und 1991 eine Neueindeckung mit Kupferblech vorgenommen.
Die Südsakristei ist heute eine Gruft, der nördliche Anbau am Chor ist im Kern wohl spätgotisch, wurde 1870 erneuert und mit Maßwerkfenstern ausgestattet. Im Innern lässt sich noch das ursprüngliche, reich profilierte Portal bestaunen.
Am Langhaus befinden sich getreppte Strebepfeiler und ein Kleeblattbogenfries, der Ostgiebel zeigt aufstigende Blenden, die Gewände der paarigen Lanzettfenster sind mit wulstigem Viertelstab und Kehle ausgestattet. Das Nordportal, der heutige Haupteingang, ist dreifach gestuft, das Südportal, in einer Wandvorlage, ist reichhaltiger profiliert und mit glasierten Steinen versehen.
Am Chor befinden sich ebenfalls getreppte Strebepfeiler und neugotische Maßwerkfenster.
Chor und Schiff sind mit Gewölben überzogen, in den Gewölbekappen und an den Wänden des Langhauses wurden 1959 und 1995 Malereien aus dem 14. Jahrhundert freigelegt.
Zur Ausstattung gehören ein Altaraufsatz und eine Kanzel von 1863, eine Taufe aus gotländischem Kalkstein (14. Jh.), das Kastengestühl (wohl 1724) und die Orgel von Carl August Buchholz 1849. Hinzu kommen insgesamt 20 Kabinettscheiben aus dem 17./18. Jahrhundert, wovon zwei Motivscheiben auf 1656 und 13 Scheiben auf 1724 datiert werden können. An der Chornordwand hängen zwei Pastorenbildnisse. Eine Sakramentsnische unter dem südlichen der drei Ostfenster ist mit einer Holztür verschlossen.
Im Turm hängen zwei Glocken. Die Ältere wurde 1866 von Eduard Zach in Stralsund umgegossen. Die Neuere kam 1969 als Ersatz für die 1917 abgelieferte Glocke hinzu.
Die Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges kam 1920 in die Kirche. Ein Denkmal für die Opfer beider Weltkriege in Form großer Findlinge wurde außerhalb des Kirchhofes im Osten der Kirche errichtet.
Bei der Restaurierung des Kirchenfußbodens im Jahr 2012 wurden im darunter liegenden Erdreich über 300 alte Münzen, die älteste aus der Zeit um 1360, entdeckt und geborgen.
(weitere Quelle: Informationsblatt in der Kirche)
 

Quellen:
Von Der Recknitz Bis Zum Strelasund - Offene Kirchen I, Broschüre, Jana Olschewski, Thomas Helms, Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006
Kirchenfußböden als Fundgrube für Archäologen, Zeitungsartikel, Martina Rathke, Nordkurier, 2012_02_08