Dorfkirche Kenz
ehem. Wallfahrtskirche St. Marien

Die Kenzer Kirche wurde um 1398 unweit einer heilkräftigen Quelle als Wallfahrtskirche im Stil der Backsteingotik auf einem Feldsteinsockel errichtet. Kenz entwickelte sich dank der Quelle im 15. Jahrhundert zum bedeutendsten Gnadenort Vorpommerns.
Der stattliche Backsteinsaal von fünf Jochen mit polygonalem Ostschluss, mit zweijochiger Nordsakristei und teilweise eingebautem Westturm wurde einheitlich gegen Ende des ersten Viertel des 15. Jahrhunderts vollendet.
Nach starker Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg begann ab 1669 der Wiederaufbau.
Die Fenster, Portale und Blenden zeigen alle gefaste Gewände, am Schiff dreiteilige Spitzbogenfenster mit Pfosten, an der Südseite zwei Spitzbogenportale, das Nordportal wurde zugesetzt, am Westgiebel gestaffelte Blenden.
Unter der Traufe verläuft ein glasierter Maßwerkfries aus Tonplatten.
Der Turm hat ein Westportal in tiefer Rundbogennische, darüber ein großes zugesetztes Fenster, die beiden Obergeschosse sind mit Maßwerkblenden und -friesen geschmückt. Bekrönt wird der Turm von vier Giebeln und einem achtseitigen Helm.
Die Fenster der Sakristei haben Maßwerkschmuck des 19. Jahrhunderts, der Giebel ist durch Fialen und Wimperge gegliedert, reichhaltiger Krabbenschmuck ist zu sehen.
Der Innenraum wird von einem Kreuzrippengewölbe auf nach innen gezogenen Strebepfeilern überspannt und zeigt ornamentale und figürliche Gewölbemalereien, die um 1895 nach Resten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erneuert wurden.
Die Ausstattung der Kirche ist im wesentlichen aus gotischer und barocker Zeit.
Ins Auge fallen zunächst die wertvollen Glasmalereien in den sechs Chorfenstern, die im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts, wohl in einer norddeutschen Werkstatt, entstanden. Sie zeigen in reiche Architekturgehäuse gestellte szenische Darstellungen aus dem Marienleben, der Passion Christi und einzelne Heiligenfiguren sowie Herzogs- und Familienwappen und stellen den größten Bestand mittelalterlicher Glasmalerei in Mecklenburg-Vorpommern dar.
Außergewöhnlich ist der aufklappbare hölzerne Kenotaph des Herzogs Barnim VI. von Pommern-Wolgast, der 1405 an der Pest starb und auf seinen Wunsch in der Kenzer Kirche begraben wurde. Der verzierte Holzschrein in Form eines Sarkophages zeigt die farbig gefasste, lebensgroße Figur des Herzogs in Amtstracht und wurde wohl bereits kurz nach seinem Tod gefertigt (um 1410).
An den Herzog erinnert auch ein 1603 von dem bedeutendsten Kunstmäzen unter den pommerschen Herzögen, Herzog Philipp II. von Wolgast, gestiftetes Kalkstein-Epitaph mit der Reliefbüste Barnims VI., welches wohl von dem Rostocker Bildhauer Rudolf Stockmann geschaffen wurde.
Sehenswert sind ferner ein Triumphkreuz mit gemalten Evangelistensymbolen aus der Zeit um 1400, also noch vor dem Bau der heutigen Kirche, der Altaraufsatz von Hans Thomas Phalert (um 1697) mit architektonischem Aufbau mit Gemälden und Akanthusschnitzerei, die Kanzel (um 1700) mit Moses als Trägerfigur und der Figur des Christus Salvator auf dem Schalldeckel.
Hörenswert ist die zweimanualige Orgel mit 15 Registern, die 1847 von Johann Friedrich Schulze aus Paulinzella (Thüringen) gebaut wurde, 1974/75 durch VOIGT, Liebenwerder, restauriert wurde und im Sommer auch zu Konzerten erklingt.
Zu den äußerst wertvollen Gegenständen gehören die Vasa sacra der Kenzer Kirche, insbesondere eine Patene aus der Zeit um 1200 (!), die wohl ein reicher Stifter aus einem anderen Kirchenschatz hierher brachte.
Im Turm hängen drei Glocken, die alle 1924 gegossen wurden.
Auf dem Kirchhof befinden sich vier Grabplatten aus dem 18. Jahrhundert und das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges.
In unmittelbarer Nähe befindet sich das achteckige Brunnenhaus, das 2003 nach dem historischen Vorbild aus der Zeit um 1760 neu erbaut wurde.
Am südlichen Dorfrand befindet sich der Friedhof, der von kräftigen hochgewachsenen Bäumen umrandet wird. Neben einer Trauerhalle und einigen Familiengrabstätten findet man auch das Grab eines französischen Kriegsgefangenen.

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Von Der Recknitz Bis Zum Strelasund - Offene Kirchen I, Broschüre, Jana Olschewski, Thomas Helms, Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006