Dorfkirche Proseken (Gemeinde Gägelow)

Die stattliche Dorfkirche wird von der Kunstgeschichte in das dritte Viertel des 13. Jahrhunderts datiert. Der Backsteinbau mit spätromanischen Ecklisenen und Rundbogenfries besitzt ein zweijochiges Schiff und einen längsrechteckigen eingezogenen Chor, beide sind kreuzrippengewölbt, an Chor und Schiff findet sich wendischer Ziegelverband, was auf eine gleichzeitige Erbauung hinweist. Lediglich der mächtige Westturm gehört dem 15. Jahrhundert an. Er weist besonders in den vier Schildgiebeln unterhalb des Spitzhelmes reichen Blendenschmuck aus Rauten, Rosetten und Spitzbogenblenden auf. 1668 wurde der Turm erst in das Schiff einbezogen. 1695 wurde der Glockenstuhl mit zwei Bronzeglocken in die Glockenstube eingebaut. Heute sind noch zwei Glocken von 1918 und 1931 vorhanden.
Von einer Umgestaltung im 15. Jahrhundert rührt das große Ostfenster her; wahrscheinlich entstand in jener Zeit auch der kapellenartige Anbau an der Südostseite der Kirche. Hier befindet sich auch an der Außenmauer die Familiengrabstätte derer von Biel.
Die Innenausstattung ist sehr reich und vielgestaltig. Der Barockaltar mit architektonischem Aufbau stammt vermutlich aus der Werkstatt von Johann Friedrich Wilde und wurde ca. 1733 gebaut. Im Hauptgeschoss befindet sich ein plastisches Kruzifix vor einem gemalten Hintergrund, flankiert von Säulenpaaren, vor denen allegorische Figuren stehen, das Obergeschoss mit Gemälde, allegorischen Figuren, flankiert von Putten, auf dem Gesims zwei sitzende Putti, das Auge Gottes in einer Gloriole bekrönt.
Die Kanzel ist ein Werk der Spätrenaissance (1656) mit halbplastischen Figuren am Aufgang und in den Korbwangen, am Schalldeckel befinden sich zudem Wappenschilder.
Die Tauffünte aus Kalkstein mit Köpfen an der Kuppawandung und Resten einer früheren Farbgebung ist aus dem 13. Jahrhundert und damit das älteste Ausstattungsstück.
Nachmittelalterlichen Ursprungs (17. Jh.) sind die drei hölzerne Epitaphe für die Angehörigen der Stifterfamilie von Negendanck sowie die Wappenschilde, Grabplatten und die schönen Messingkronleuchter im Schiff und Chor.
In den Chorfenstern sitzen Buntglasscheiben mit Evangelistendarstellungen, auf der Südseite Matthäus und Markus sowie Lukas und Johannes auf der Nordseite.
Die Orgel ist ein Werk des bedeutenden Wismarer Orgelbauers Friedrich Wilhelm Winzer (1811-1886) und wurde 1868 gebaut.
Neben zahlreichen Gedenktafeln lassen sich in der Kirche auch noch Reste von Wandmalereien entdecken. Zu den vasa sacra gehören u.a. zwei Kelche, von denen der ältere aus dem 15. Jahrhundert stammt.
Ab 1991 wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen am Turm durchgeführt, 1999 erfolgte eine Neueindeckung und Trockenlegung der Kirche.
Der Kirchhof ist als Friedhof gestaltet und wird von einer Feldsteintrockenmauer umgeben. Auf dem Kirchhof steht auf der Nordseite ein Kriegerdenkmal, im südwestlichen Bereich befinden sich zwei Gräber von Kriegsgefangenen und eine Gedenkstätte für den Zweiten Weltkrieg. Vor dem Kirchhof steht eine moderne Trauerhalle.
(weitere Quelle: Informationstafel)

Quellen:
Dorfkirchen in Mecklenburg, Buch, Horst Ende, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1975
Dorf- und Stadtkirchen Wismar-Schwerin, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001