Dorfkirche Klütz (Stadt seit 1938)
St. Marien

Der Ort wurde 1230 erstmals im Ratzeburger Zehntenregister erwähnt. Ältester Teil der stattlichen Backsteinkirche ist der zweijochige Rechteckchor, entstanden um 1250. Die Nordsakristei wurde erst später angefügt. Die dreischiffige Backsteinhalle wurde um 1260/70 errichtet. Der Bau ist geprägt vom Übergang vom romanischen zum gotischen Baustil. Rundbogenfries, Ecklisenen, kurze Schlitzfenster und die gestaffelte Dreifenstergruppe der Ostwand sind typische romanische Stilelemente. Die reich profilierten Portale mit glasierten Steinen, Spitzbogenfenster und getreppte Strebepfeiler künden von der aufkommenden Gotik, die im 14. Jahrhundert mit dem Bau des 56 Meter hohen Westturmes mit der weithin sichtbaren Bischofsmütze und den blendengeschmückten Schildgiebeln ihre Vollendung findet.
Chor und Schiff werden von Kreuzrippengewölben überspannt.
Der Altar steht auf gotischen, glasierten Fußbodenplatten.
Ältestes Ausstattungstück ist die romanische Tauffünte aus Granit aus dem 13. Jahrhundert. Das geschnitzte Taufgehäuse aus Eichenholz im Stil der Spätrenaissance ist eine besondere Kostbarkeit (1653, renoviert 1753?). Die dazugehörige Taufschale aus Messing von 1655 hing lange Zeit an der Kirchenwand.
An der Südwand des Chores steht das geschnitzte neunsitzige Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert; auf der gegenüberliegenden Seite steht eine Nachbildung von 1844. Ein Wappenepitaph der Familie v. Plessen aus Sandstein von 1622 hängt an der Chorsüdwand.
Die Kanzel mit Aufgang und Schalldeckel von 1587 zeigt die Stifterwappen der Adelsgeschlechter der umliegenden Dörfer an den Korbwangen und an der Rückwand.
Der barocke Altaraufsatz stammt aus dem 18. Jahrhundert, das Altarbild ist eine Kopie der "Kreuzigung" von Anthonis van Dyck.
Die Orgel baute 1871 Friedrich Wilhelm Winzer aus Wismar.
Das südöstliche Schiffsfenster ist mit einer Glasmalerei von 1886 ausgestattet und zeigt die Apostel Petrus und Paulus. An der Südostwand des Kirchenschiffs erinnert eine Steintafel an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
Das Geläut der Kirche besteht aus vier Bronzeglocken. Glücklicherweise konnten die drei im Dezember 1941 abgelieferten Glocken acht Jahre später unversehrt zurückgeführt werden.
Die Kirche von Klütz ist für eine Dorfkirche sehr groß und reichhaltig ausgestattet. Klütz erhielt erst 1938 sein Stadtrecht, doch die prächtige Kirche zeugt von einer hohen Bedeutung des Ortes auch schon vor einigen hundert Jahren. Die Kirche stand viele Jahre unter dem Patronat der Familie von Plessen. Mit dem Übergang des Plessenschen Besitzes an die Grafenfamilie von Bothmer im 18. Jahrhundert endet das Patronat. Eine Grabplatte mit dem Familienwappen derer v.Plessen befindet sich in der Kirche.
Auf der Südseite vor der Kirche steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Krieges von 1870/71, gewidmet vom Kriegerverein Klütz im Jahr 1884.
Südöstlich der Kirche steht die Grabkapelle der Reichsgrafen Bothmer. Das Mausoleum wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einem dem Schloss angepassten Stil erbaut und diente bis 1938 als Grablege der Familie, dann wurde es an die Stadt Klütz verkauft und wird seitdem als Trauerhalle benützt. Die Bothmerschen Sarkophage wurden in die Friedhofskapelle auf dem Friedhof gegenüber dem Schloss (Straße des Friedens 5) umgebettet. Auf Wunsch von Alfred Felix Felix Reichsgraf v. Bothmer ließ Mary Reichsgräfin v. Bothmer 1934 auf der Nordseite der Kirche einen Anbau/Logenzugang (oder auch Grabkapelle) errichten.
Der weitläufige Friedhof der Stadt befindet sich südlich der Kirche (Straße des Friedens 1). Hier befindet sich auch eine Grab- und Gedenkstätte für die Opfer der Versenkung der KZ-Schiffe "Cap Arkona" und "Thielbeck" am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht durch Britische Bomber. Von 7.600 Häftlingen, hauptsächlich aus dem KZ Neuengamme, fanden 7.000 wenige Tage vor Beendigung des Krieges den Tod. 16 Opfer fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen Wismar-Schwerin, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001