Kapelle Peenemünde
Gedächtniskapelle

Die Kapelle in Peenemünde wurde 1876 als Friedhofskapelle nach Plänen von Friedrich Kräger errichtet. Der achteckige Zentralbau in Fachwerkziegelbauweise trägt ein schiefergedecktes Dach mit einer geschlossenen Laterne. Es ist eines der wenigen erhaltenen Gebäude des ursprünglichen Fischer- und Bauerndorfes Peenemünde. In der Zeit der militärischen Bedeutung des Ortes von 1936 bis 1989 wurde das Bauwerk stark vernachlässigt. Aus Anlass des 50. Jahrestages des Bombenangriffes auf Peenemünde im Jahr 1993 wurde die Kapelle wieder originalgetreu hergerichtet und im Innern als Gedächtniskapelle für die Opfer von Peenemünde umgestaltet. Der Initiative der evangelischen Kirchengemeinde ist es zu verdanken, dass die Kapelle 1993 neu eingeweiht werden konnte.
Auf dem Kirchhof steht im Nordwesten ein hölzerner Glockenstuhl mit einer Bronzeglocke von 1993, die den Opfern der Militärgeschichte Peenemündes gewidmet ist.
Der Innenraum ist modern gestaltet; der Altar ist nur angedeutet; die Gemeinde nimmt auf einfachen Holzbänken Platz. Die Fenster sind mit farbenfrohen Glasmalereien geschmückt. In den Traufbalken sind die Seligpreisungen aus dem Matthäus-Evangelium (Ev. Matth. 5,3-12) eingeschnitzt.
Vor dem Eingang zur Kapelle, gegenüber vom Glockenstuhl, steht ein 1930 errichteter Gedenkstein zur Erinnerung an die Landung des Schwedenkönigs Gustaf Adolf vor 300 Jahren an dieser Stelle der Insel.
Im hinteren Bereich des Friedhofs steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.
An der Südseite des Friedhofes wurde Mitte der 1960er Jahre ein Massengrab entdeckt. Bei den Toten handelt es sich um Häftlinge aus dem KZ-Arbeitslager Karlshagen I, die hier von Dezember 1944 bis März 1945 begraben wurden. Die feierliche Umbettung der Toten nach Karlshagen auf das Areal des heutigen Ehrenmals erfolgte am 30. Mai 1968.
"Die Wiege der Raketen wurde den Opfern zum Sarg"
(weitere Quelle: Informationstafel an der Kapelle)

Quellen:
Willkommen in den Kirchen Usedoms Sommer 2007, Flyer, Regionalkonvent Usedom, Clemens Kolkwitz, Hoffmann-Druck Wolgast, 2007