Friedhof Neuenhagen (Gemeinde Altenhagen)

Am Ortsrand befindet sich ein kleiner Friedhof mit rechteckiger Trauerhalle und freistehendem Glockenstuhl mit einer Bronzeglocke, die 1966 von Dortmunder Konfirmanden gestiftet wurde.
Die Trauerhalle war 2012 im Innern noch unscheinbar weiß getüncht. Seit 2016 füllen Wandmalereien von Otto Sander Tischbein, kurz OST, den Raum farbenfreudig aus. Der 68 Jahre alte Kunstmaler wohnt seit zwanzig Jahren in Neuenhagen, sein Grundstück grenzt an den Friedhof. Bürgermeister Heiko Röhrdanz wollte die kommunale Trauerhalle auf dem Friedhof sanieren und war von dem Vorschlag des Künstlers, die Wände neu zu designen, mehr als angetan. Am 9. Mai 2016 begannen die Arbeiten in der Halle, die am Totensonntag des selben Jahres mit einem kleinen Glockenritual beendet wurden.
Die für OST so typischen Figuren ziehen, diesmal lebensgroß, in einem Trauermarsch in die Halle ein und wieder hinaus. Sie sind "unterwegs". Die Inspiration "Vom Unterwegs Sein" erhielt der Künstler OST von Michel de Montaigne (1553-1592). "Ich habe bewusst keine bestimmten Personen aus der Gemeinde porträtiert", erklärt der Maler. Dennoch schuf er Ähnlichkeiten zu den Menschen aus seiner Nachbarschaft: Figuren mit Bart oder Zigarette, mit Hackenschuhen oder Gummistiefeln. Bewusst wurden weltliche und religiöse Elemente verbunden. An der Stirnseite sind die zwölf Apostel und in der Mitte die Sonne als weltliches Element zu sehen. Viel mehr möchte der Maler aber nicht erklären, "die Leute sollen meine Kunst auf ihre Weise interpretieren".
Seit September 2017 zieren Malereien von OST auch die Wände der Trauerhalle in Philippshof, ebenfalls ein Dorf der Gemeinde Altenhagen.

(Hinweis dazu von Diana Hellwig aus Erfurt)

Quellen:
Es lässt sich auch farbenfroh von dieser Welt gehen, Zeitungsartikel, D. Vitense, Nordkurier Lokales, 2017
Philippshofer Trauerhalle wird ein Ort der Kunst, Zeitungsartikel, Christina Weinreich, Nordkurier Lokales, 2017
Kunst für den Abschied - Unkonventionelle Trauerhallen in Vorpommern, Artikel, Caroline Wenndorff, dpa, 2017