Dorfkirche Boitin (Gemeinde Tarnow)

Erbaut wurde die Dorfkirche in Boitin wohl Ende des 13. bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts.
Der hölzerne Glockenturm wurde zu Ausgang des Mittelalters angefügt.
Der im Innern gewölbte Backsteinbau wurde auf einem hohen Sockel aus sauber geschichteten Feldsteinquadern errichtet. Auffällig sind die kräftigen, abgetreppten Stützpfeiler der Ostwand. Der Ostgiebel zeigt eine 10teilige gespiegelte Staffelblende mit Kreisblende in der Spitze, wobei die überstehende Giebelkante auf eine in jüngerer Zeit vorgenommene Erneuerung des Giebels hinweist. Eine Öffnung in Bodennähe auf der Nordseite könnte auf eine Gruft hindeuten.
Bemerkenswert sind die mit Drachen- und Löwenreliefs gestalteten Formziegel, mit denen die heute zugesetzte Laienpforte in der Südwand und das Kaffgesims an der Ostwand verziert sind. Der Priesterpforte wurde eine kleine Eingangshalle vorgesetzt, deren Giebel mit drei Spitzbogenblenden geschmückt ist. Sowohl das korbbogig geschlossene Portal der Vorhalle als auch das der Pforte zum Innenraum deuten auf eine Entstehung im 16./17. Jahrhundert hin, womöglich zeitgleich mit der Errichtung des Westturmes. Der Bedeutung nach könnte es sich bei dem reliefgeschmückten Portal aber auch um die ursprüngliche Priesterpforte handeln. Demnach könnte es sich bei dem gesamten Rechteckbau um einen großen Chor handeln, dem in späterer Zeit ein noch größeres Schiff angefügt werden sollte. Diese These wird von anderen Merkmalen im Innern der Kirche gestützt.
Im Innenraum umläuft auf Höhe der Fensterbänke ein wertvoller Gemäldefries das gesamte "Kirchenschiff". Die um 1400 entstandenen Fresken wurden 1893 freigelegt und restauriert. Leider wurden sie bei dem Einsturz des westlichen Kreuzrippengewölbes am 18. Oktober 1998 und den notwendigen Sicherungsmaßnahmen sehr in Mitleidenschaft gezogen. Schaut man sich die Darstellungen genauer an, lässt sich ein in sich geschlossener Themenkreis zu den christlichen Glaubensgrundsätzen erkennen. Beginnend mit der Jüngerschaft Jesu, der Einsetzung des Abendmahls, über die Passion und Kreuzigung hin zu Auferstehung und Todeserlösung des Menschen, die Offenbarung des Auferstandenen und sein Sendungsauftrag an die Apostel, Pfingsgeheimnis mit Öffnung an alle Menschen, Manifestation der allumfassenden (katholischen) Kirche als Gemeinschaft der Heiligen in der Taufe, mit ihren großen Kirchenlehrern und Schutzheiligen; und den Kreis schließend - Christus als Weltenrichter. Gerade dieses letzte Bild an der Westwand ist eine typische Darstellung, die man andererorts in Triumphbögen oder Gewölbekappen im Altarraum findet. Ein weiteres Indiz für die vorangestellte These des großen Chorraums sind die über den gesamten Bilderfries verteilten Weihekreuze. Weihekreuze gehören zu den sakralen (Ggs. profan) Symbolen und waren unmittelbar an rituelle Vollzüge, in diesem Fall an die >Kirchweih< als Einsetzung des "Haus Gottes", gekoppelt. Der Kirchraum für das profane Volk wurde im Verständnis des Mittelalters dagegen nicht geweiht. Über die Priesterpforte gelangt der Geist Gottes in Person des geweihten Priesters in "sein" Haus. Darüber wachen am Eingang (Portal) die guten und mächtigen "Lebewesen" und schützen das Haus Gottes vor Zutritt von Dämonen und bösen Geistern. Diese Wächter schützen nicht nur den Eingang, sondern auch den unmittelbaren sakralen Raum des Altares, deshalb finden sich diese Symbole der Schutzmächte auch sehr oft an den Außen- und insbesondere Ostmauern der Altarräume (Chor).
Der Innenraum ist kreuzrippengewölbt. Die vegetabile Rankenmalerei an den Gewölberippen und die Vorhangmalerei an den Wänden stammt aus dem 19. Jahrhundert, genauso wie die Buntglasornamente in den Scheitelringen der zweibahnigen Fenster.
Teile der Innenausstattung, der neugotische Altaraufsatz und die Renaissancekanzel von 1621, waren lange Zeit ausgelagert, befinden sich aber heute wieder in der Kirche. Das Altarbild zeigt die Szene der Ölbergstunde, im Vordergrund die schlafenden Jünger.
Im Altarraum befindet sich eine Sakramentsnische mit Holztür.
Zur Ausstattung gehören auch noch eine achteckige Taufe und eine moderne Kleinorgel, die an der Südwand steht. Vom Gestühl ist nur noch die Brüstung der Westempore vorhanden. Die Gemeinde nimmt auf einfachen Holzbänken Platz. 
In der zugesetzten Portalnische der nördlichen Totenpforte steht die hölzerne Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
Der Kirchhof ist als Grünfläche gestaltet. Einige Meter von der Kirche in westliche Richtung entfernt auf einer Anhöhe befindet sich der Friedhof der Gemeinde. Davor steht eine Trauerhalle.
(weitere Quelle: Informationsblatt vor der Kirche)

Quellen:
Dorfkirchen in Mecklenburg, Buch, Horst Ende, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1975
Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Güstrow, Buch, Zerniner Beschäftigungsinitiative (ZEBI) e.V., Edition Temmen, 1997