Dorfkirche Bobbin (Gemeinde Glowe)
St. Paul

Der vorrangig aus Feldsteinen errichtete Kirchbau befand sich 1250 im Besitz des Klosters Bergen und wird zu dieser Zeit erstmals urkundlich erwähnt. Die St. Pauls-Kirche ist die einzige Feldsteinkirche Rügens. Um 1400 entsteht der heute erhaltene Bau aus Schiff, Chor und Nordsakristei; 100 Jahre später wird der mächtige Turm im Westen angefügt. Im 16.Jahrhundert erfolgte der südliche Choranbau als Leichenhalle. Im 17. Jahrhundert wurde der Aufgang zur Patronatsloge ausgebaut. Die Kirche war im 15. und 16. Jahrhundert eine von mehreren Wallfahrtskirchen auf Rügen und gehörte zur Diözese Roskilde. 1954/55 erfolgte die Erneuerung der Flachdecke im Innern der Kirche; der Chor besitzt ein Kreuzrippengewölbe. Das älteste Ausstattungsstück ist die Tauffünte aus der Zeit um 1300, wahrscheinlich noch aus dem Vorgängerbau. Unter dem Patronat des schwedischen Generals Karl Gustav von Wrangel erfolgte ab 1649 die barocke Überformung und Neuausstattung der Kirche. Der Altaraufsatz von 1668 zeigt in Gemälden Darstellungen des Abendmahls, der Kreuzigung und der Auferstehung. Die Kanzel wird über die Sakristei betreten. In den Brüstungsfeldern befinden sich Gemälde der Apostel Petrus u. Paulus, der vier Evangelisten und von Christus als Salvator Mundi. Auch die Patronatsloge ließ Wrangel einbauen, die Brüstungsfelder sind mit den Familienwappen bemalt. Der Beichtstuhl mit thematischen Gemälden entstand 1775 in der Stralsunder Werkstatt von Michel Müller. Auch die Brüstungsfelder der Westempore sind mit biblischen Szenen bemalt. Die Orgel mit neugotischem Prospekt wurde 1842 von Carl August Buchholz gebaut. In dieser Zeit entstanden wohl auch die Glasmalereien, im Chornordfenster sind die Evangelisten Markus und Matthäus abgebildet. Hinter dem Altaraufsatz befindet sich in der Ostwand eine Sakramentsnische mit zwei Holztüren, bemerkenswert ist die farbige Übergiebelung und das Vierpassmotiv. Auf dem die Kirche umgebenden Friedhof befinden sich noch mehr als 50 zum Teil sehr qualitätvolle Grabwangen aus der Zeit zwischen 1755 und 1884.  

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen auf Rügen und Hiddensee, Buch, Jürgen Schulz, Edition Temmen, 2006
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage