Dorfkirche Binz (Ostseebad)

Das sich Anfang des 20. Jahrhunderts zum führenden Badeort Rügens entwickelte ehemalige Fischerdorf Binz erhielt 1913 eine eigene Kirche, nachdem es früher wechselweise zu den Kirchspielen Lancken oder Zirkow gehörte.
Der neugotische Backsteinbau auf einem Granitquaderfundament wurde nach Plänen des Architekten REICHERT auf einem Ausläufer der Granitzberge hoch über dem Badeort errichtet.
Das Besondere an dem Bauwerk ist seine Ausrichtung, die gewöhnlich mit dem Altar im Osten und dem Turm im Westen gewählt wird. In Binz zeigt der Altar nach Nordosten und der Turm befindet sich über dem Altar. Vielleicht ist die besondere Lage am Hügel für diese Ausrichtung verantwortlich. Der rechteckige Eingangsbereich im Westen ist leicht gegen das Schiff eingezogen. Über dem spitzbogigen Stufenportal prangt ein großes Blendenkreuz im Westgiebel.
Das Geläut im Turm besteht aus drei Stahlgussglocken, die 1912 in der Vereinsgießerei Bochum gegossen wurden.
Der Innenraum ist von einem Bogengewölbe geschlossen, in der gleichen Form wie der Triumpfbogen, der das Schiff von der Chorapsis trennt.
In der Apsis steht der Altar mit einem hölzernen Kruzifix-Aufsatz des Südtiroler Bildhauers Ferdinand Stufflesser (s.a. Göhren) aus dem Jahr 1912. Hinter dem Kreuz liefern die grünen Farben der Glasmalerei des östlichen Rosettenfensters den Blätterkranz am Lebensbaum des Kreuzesholz. So schließt sich die Symbolik der sieben Fenster im Kirchenraum. Die sechs Fenster im Schiff entsprechen den 6 biblischen Schöpfungstagen. Das 7. Fenster symbolisiert den göttlichen Ruhetag und den österlichen Triumph des Lebens über den Tod gleichermaßen.
Der Weg zu Gott führt über die Taufe, somit steht vor dem Altar der achteckige Taufstein. Das Neue Testament sieht in der Taufe die neue Schöpfung. Um über die Sieben der alten Schöpfung hinauszuweisen, muss also der Taufstein acht Ecken haben.
In der südöstlichen Ecke steht die hölzerne Kanzel für die Verkündigung. Die Gemeinde nimmt auf hölzernen Bänken Platz.
Die Westempore trägt eine pneumatische Orgel der Stettiner Orgelbaufirma Barnim Grüneberg aus dem Jahr 1912. Sie besitzt 729 Pfeifen und 14 Register. Nach einer gründlichen Überholung erklingt das Instrument wieder zweimal wöchentlich in den Sommermonaten zu Orgelkonzerten und im Gottesdienst.
Der Friedhof der Gemeinde befindet sich auf einer Anhöhe im Wald (Friedhofsweg 1). Hier steht eine formschöne Friedhofskapelle. Wenn man den Hügel weiter hinaufsteigt, gelangt man zu dem Gedenkkreuz für die Gefallenen der Kriege der letzten Jahrzehnte.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen auf Rügen und Hiddensee, Buch, Jürgen Schulz, Edition Temmen, 2006
Kleine Geschichte der Evangelischen Kirche zu Binz, Flyer, Evangelisches Pfarramt Binz,