Dorfkirche Sellin (Ostseebad)
kath. Maria Meeresstern

Mit der Entwicklung zum Badeort Anfang des 20. Jahrhunderts sollte auch den zahlungskräftigen Urlaubern aus dem katholischen Süddeutschland eine regelmäßige geistliche Betreuung zuteil werden. Die Genehmigung für einen Kirchbau wurde von der Regierung zwar erteilt, allerdings mit der Auflage verbunden, Einheimische und Schnitter von den umliegenden Gütern zum Gottesdienst nicht zuzulassen.
So entstand 1912 auf einem Hügel der Granitz, nahe der Steilküste, die katholische Kirche von Sellin. Der Entwurf stammt von dem Kölner Regierungsbaumeister KRINGS. Zwischen dichten Buchenbeständen erhebt sich eine Basilika, die neoromanische und neugotische Stilelemente miteinander vereint.
Mehrere Nebenaltäre in den Seitenschiffen boten Urlaubspriestern die Möglichkeit ihre Messen zu feiern.
Seit 1951 fand hier auf Anregung des Bischofs Wilhelm Weskamm im Zusammenwirken mit den einheimischen Geistlichen alljährlich am Pfingstmontag ein Treffen vieler Hundert Heimatvertriebener statt, die ihr traditionelles religiöses Brauchtum erhalten und pflegen wollten. Die Wallfahrer stifteten 1952 einen von Georg Tyllack geschnitzten Altar, der die über die Ostsee schreitende Maria mit dem segnenden Jesuskind auf dem Arm zeigt. Außerdem schmückt das Relief "Vom reichen Fischfang" (Lk. 5,5) das Innere der Kirche.
Die zu DDR-Zeiten unerwünschte Wallfahrt führt seit 1990 jährlich Anfang September in die ev. Marienkirche nach Bergen, aus der Tradition des Pfingstmontags ist der sogenannte Insel-Katholikentag hervorgegangen.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen auf Rügen und Hiddensee, Buch, Jürgen Schulz, Edition Temmen, 2006