Dorfkirche Banzkow

Der Ort 'Bancekowe' mit Mühle und Hof wird im 14. Jahrhundert von den Grafen von Schwerin an den Ritter Ulrich von Drieberg verpfändet. Bekannt wurde der Ort durch die aus Holz gefertigten Kannen, Becher und Teller der ansässigen Schnitzer und Drechsler. Heinrich IV. (1417-1477), als Heinrich der Dicke bekannter Herzog zu Mecklenburg, nannte die bemalten und vergoldeten Becher scherzhaft seine "Banzkowschen Gläser". Bis zum 16. Jahrhundert hatte das Kloster Zarrentin Anrechte auf Banzkow, danach geht das Dorf vollständig ins landesherrliche Domanium über. Seit 1534 ist eine Filialkirche von Plate beurkundet. Vier mittelalterliche Schnitzfiguren, darunter eine Sitzmadonna aus der Zeit um 1230, die als älteste erhaltene Holzskulptur Mecklenburgs gilt, sind ins Schweriner Museum gekommen, so dass die Vermutung nahe liegt, dass Banzkow bereits im frühen 13. Jahrhundert eine Kirche besessen hat.
Die heutige Kirche, ein neugotischer Backsteinbau, wurde zwischen 1872 und 1875 nach einem Entwurf des Schweriner Hofbaurates Theodor Krüger errichtet. An das im Osten mit einem Stufengiebel endende vierjochige Schiff wurde eine polygonale Chorapsis angefügt. Der an den Stufengiebel im Westen angefügte dreigeschossige Turm schließt mit einer oktogonalen Glockenstube mit Spitzhelm. An den Seiten befinden sich kleinere Treppentürme. Nördliche und südliche Anbauten lassen den Grundriss zur Kreuzform werden. Die Sakristeianbauten haben ebenfalls Treppengiebel.
Die Innenausstattung ist einheitlich im neugotischen Stil gehalten. Der Altaraufsatz von 1875 zeigt das Bild "Jesus am Kreuz". Die Kanzel, eine geschnitzte Tischlerarbeit, zeigt besonders im Schalldeckel neugotische Maßwerkformen. Die Taufe aus Industriestein hat einen sechseckigen Fuß und eine zwölfseitige Schale. Die Orgel baute der Schweriner Hoforgelbaumeister Friedrich Friese (Friese III) 1884.
Im Turm hängt eine spätmittelalterliche Glocke (1509) aus der Vorgängerkirche, die auch heute noch von Hand geläutet wird. Das Werk der Turmuhr arbeitet auf dem selben Prinzip wie "Big Ben" in London.
Der Kirchhof ist als Friedhof gestaltet und von einer flachen Backsteinmauer umschlossen. Im Süden der Kirche steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die Stele aus rotem Granit nennt an den Seitenflächen die Namen der Gefallenen. Vor dem Denkmal befindet sich eine Gedenk- und Grabstätte für sieben namentlich genannte und fünf unbekannte Soldaten, die im Mai 1945 gefallen sind.
(weitere Quelle: Informationsblatt im Schaukasten der Kirche)

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen Wismar-Schwerin, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001