Kapelle Moraas

Das Bauerndorf Moraas gehörte ursprünglich zum Besitz der Grafen von Schwerin und gelangte laut urkundlicher Ersterwähnung 1227 an den Johanniterorden, wo es bis 1552 zur Komturei Kraak nordöstlich von Moraas gehörte. Danach bis 1562 als Lehen an die von Spedts vergeben, fiel es schließlich als herzogliches Domanium entgültig an den Landesherrn. Eine eigene Kirche ist nicht belegt. 1817 wurde im Zusammenhang mit der Friedhofsanlegung nahe der Ausfahrt Richtung Strohkirchen ein hölzerner Turm errichtet. Es handelt sich hierbei um einen nadelholzverblendeten, zinngedeckten Glockenturmaufsatz mit einem Gebälk aus Eichenholz über einem kleinen Backsteinbau. Die darin untergebrachte und bis heute handgeläutete Bronzeglocke mit der Inschrift 'MARIA' hat einen unteren Durchmesser von 580 cm und ein Gewicht von ca. 110 Kilogramm. Die Glocke wurde 2003 bei der Reparatur des Glockenstuhls vom Glockentechniker Wolfgang Schmidt aus Berlin auf Grund der Inschrift und Form auf das 14. Jahrhundert datiert. Die Ortschronik besagt, dass die Glocke 1817 für 100 Taler erworben wurde. 1848 wurde der Friedhof nach allen vier Seiten hin vergrößert. 1857 musste der Glockenstuhl repariert werden. Erst um 1970 erweiterte die Gemeinde den Turmbau durch einen Kapellenbau. Es wurde ein massiver, verputzter Anbau von ca. 10 Metern Länge und 6,30 m Breite mit einem schlichten Satteldach errichtet. Im Jahr 2001 waren umfangreiche Sanierungsarbeiten am gesamten Gebäudekomplex nötig. Die Gemeinde nutzte die Gelegenheit, die Defizite an Optik und Bauausführung mit beheben zu lassen. 2003 erhielt die Gemeindekapelle ihr heutiges harmonisches Aussehen. Die Fassade des Anbaus erhielt eine rote Verklinkerung, die Zierzinnen des alten Gebäudes wurden am Kapellengiebel nachempfunden. Der neue Eingang erhielt einen Segmentbogenschluss. Die Fenster wurden um ein Segment nach unten vergrößert und bogig abgeschlossen. Das Turmdach ziert nun wieder ein Kreuz mit Windfahne. Der Innneraum ist flachgedeckt. Den Altar schmückt ein glasfensterartiges Motiv des regionalen Malers BLUME aus Picher. Die Gemeinde nimmt auf einfachen Stühlen Platz. Ein Lesepult und ein Harmonium komplettieren die Ausstattung. Symbolhaft für die Leistung der Gemeinde befindet sich über dem Eingang in einer Rundblende das Moraaser Ortswappen. Es wurde 1997 vom Heraldiker Karl-Heinz Steinbruch entwickelt und 1998 offiziell vom Land genehmigt. Die Kapelle wird für Gottesdienste und Trauerfeiern gemeinsam von Kirchgemeinde und Kommune genutzt. Der großflächige Friedhof ist mit einem Drahtzaun umgeben. Vor dem Friedhofstor steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
(weitere Quelle: Informationstafel "Der Sakralbauten-Radweg")

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Parchim, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001