Dorfkirche Redefin

Nachdem 1306 die Grafen von Schwerin den vermutlichen Raubritter Rybe, der auf der um 1300 gegründeten Burg Redefin saß, vertrieben hatten, wurde das Rittergut 1311 als Lehen an Ulrich von Pentz vergeben. Nachdem die Burg im 30jährigen Krieg verwüstet wurde, verkaufte sie 1670 der Pfandbesitzer Junker Philipp von Holstein als Steinbruch an den Kaufmann Manecke aus Boitzenburg. Auch eine Kapelle des Burgherrn von Petz, deren genauer Standort nicht bekannt ist, soll in diesem Zusammenhang zerstört worden sein. Damit war die im 16. Jahrhundert eigenständig bestehende Kirchengemeinde mit eigenem Prediger, den die von Pentz einsetzten, eingegangen. 1698 ging das Gut durch Kauf an Herzog Friedrich Wilhelm und wurde Teil des landesherrlichen Domaniums. Bereits 1710 ließ der Herzog auf dem Gut ein Zuchtgestüt einrichten, das 1812 zum herzoglichen Landgestüt ausgebaut wurde. Zwischen 1812 und 1820 ließ Vollrath Joachim von Bülow die gesamte Gestütsanlage aufbauen, die 1820 mit Fertigstellung der Reithalle im klassizistischen Stil nach Plänen des Oberlandbaumeisters Carl Heinrich Wünsch vollendet war. Gelder für einen weiteren Ausbau flossen dann aber in den Bau der neuen Redefiner Kirche, der ebenfalls auf Entwürfe WÜNSCHs zurückgeführt wird. Zwischen der Grundsteinlegung 1843 und der Weihe 1847 vergingen einige Jahre, zur Bauausführung ist auch wenig bekannt. Das Auffälligste dieses polygonal geschlossenen flachgedeckten Saalbaus neben seiner Größe ist das stark betonte, breite Westwerk mit dem zierlichen, turmartig erhöhten Mittelteil. Der über vier Ebenen reichende Unterbau, dessen flaches abgewalmtes Satteldach kaum in den Turmaufsatz vermittelt, erzeugt trotz der spitzbogigen Fensteröffnungen einen wuchtigen, beinahe wehrhaften Eindruck. Portale befinden sich an West- und Nordseite. Reizvoll an der Kirche sind der originale Zustand der Ausstattung sowie die bauzeitliche Wandgestaltung, wodurch ein nahezu nicht überformter Eindruck eines der frühesten neugotischen Kirchenräume Mecklenburgs vermittelt wird. Lediglich ein überlebensgroßer 'Segnender Christus' nach THORVALDSEN aus der Holzschnitzerei Lang in Oberammergau/Bayern und die Kanzel gehören nicht zur Ursprungsausstattung. Den Chorraum umläuft im Innern ein Patronatsgestühl, in dessen Mitte sich die Christus-Statue erhebt. Die Orgel auf der Westempore wurde von Friedrich Matthias Theodor Friese (Friese II) 1846 aus Teilen der Schweriner Schlosskirchenorgel von 1602 gebaut. Sie enthält somit die ältesten Orgelpfeifen Mecklenburgs. Der Platz um die Kirche ist begrünt. Ein Friedhof mit pferdestallähnlicher Trauerhalle befindet sich in der Belscher Straße. Das Kriegerdenkmal steht unter einer Eiche auf dem Gelände des Gemeindehauses an der durch den Ort führenden Bundesstraße 5 (Nr. 14).
(weitere Quelle: Informationstafel "Der Sakralbauten-Radweg")

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Parchim, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001