Dorfkirche Kloster (Insel Hiddensee)
Kirche vor dem Klostertor

Wizlaw II., seinerzeit Rügenfürst, schenkte 1296 dem Zisterzienserkloster Neuenkamp (Franzburg) die gesamte Insel "Hyddensee". Die Mönche begründeten ein Tochterkloster und bestimmten von nun an bis ins 16. Jahrhundert die Geschicke der Insel. Sie entwickelten Ackerbau und Fischfang, bauten einen kleinen Hafen und richteten ein Hospital ein. 1332 begannen sie mit der Errichtung der kleinen "Kirche vor dem Klostertor", die für die angewachsene Inselbevölkerung aus Bauern und Fischern dienen sollte. Die spätgotische Dorfkirche ist das älteste erhaltene Bauwerk auf der Insel Hiddensee. Sie wurde 1410 geweiht. Nach der Reformation und in den Wirren des 30jährigen Krieges drohten Kloster und Kirche zu verfallen. Um 1700 wurde der südliche Anbau vor der Priesterpforte errichtet. Der kleine Vorbau dient seitdem als Glockenstuhl für heute drei Glocken (kleine 1702, neue 1993). 1781 erfolgten umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen, womit zumindest die Kirche gerettet werden konnte. Aus dieser Zeit stammen die Fenster- und Portalvergrößerungen und das hölzerne Tonnengewölbe. Auch die Innenausstattung entstand weitestgehend in dieser Zeit, wobei auch auf das Inventar einer abgerissenen Kirche auf Rügen zurückgegriffen werden konnte. Der Altarraum wird vollständig ausgefüllt von einem Ensemble aus Kanzelaltar, Beichstuhl und Kastengestühl. Wie das blaue Himmelsgewölbe überspannt die blumenbemalte Holztonne den sakralen Raum. Die Bemalung mit den roten Rosen erhielt die Decke aber erst 1922 von dem Berliner Maler und begeisterten Hiddensee-Besucher Max Nikolaus Niemeier. Der "Rosenhimmel" erhält 2008 eine Restaurierung. Unter der Decke schwebt ein Taufengel mit den strengen Zügen des pommerschen Bauernbarock, in der Hand eine Schale mit Taufwasser haltend. Zur Taufe wurde er früher auf das darunterstehende Taufbecken herabgelassen, leider funktioniert die Mechanik heute nicht mehr. Taufbecken und Taufengel stammen wohl schon aus der Zeit um 1750. Im Übrigen werden seit jeher alle Hiddenseer mit dem salzigen Wasser der Ostsee getauft. Auch die aus vielen Küstenkirchen bekannten Votivschiffe finden sich hier, wobei es sich streng genommen bei den beiden Schiffsmodellen nicht um Votivschiffe, also 'Dankesgaben' von aus Seenot erretteten Seeleuten, handelt. Die beiden Modelle sind Handarbeiten einer ansässigen Pastorenfamilie. Im Chor an der Nordwand lehnt eine alte Grabplatte. Sie zeigt ein Relief eines mittelalterlichen Mönchs mit Bischofsstab (Abt), der von einem gotischen Wimperg umrankt wird; in den Ecken sind die Symbole der vier Evangelisten ebenfalls als Reliefs abgebildet. Eine lateinische Inschrift umläuft die Platte. Laut 'Zeittafel' in der Kirche handelt es sich um die Grabplatte des Abtes Johannes Runnenberg von 1475. Die Gebeine eines Abtes aus dem 14. Jahrhundert wurden 1960 bei Ausgrabungen auf dem Klostergelände durch Karl Ebbinghaus an die Südwand der Kirche umgebettet. An der nördlichen Ostwand hängt zudem ein kleiner bemalter Epitaph aus Eichenholz. Er ist dem SAMUEL VÖSAHN (wohl 'Voisan') gewidmet, der am 25. Juli 1611 jung verstorben ist. Vermutlich handelt es sich um den Sohn von Heinrich Voisan, der 1597 als Pastor von Kasnevitz nach Kloster kam und 1629 in Stralsund an der Pest starb. An der Brüstung der Westempore hängt ein Bild von dem Pastorensohn Christoph Rosenow, das die Rettung Schiffbrüchiger zeigt. Die Empore entstand zeitgleich mit dem Kanzelaltar. 1913 erhielt die Kirche das Gestühl in der heutigen Form. 1943 wurde von der Orgelbaufirma Schuke aus Potsdam eine Orgel auf der Empore eingebaut. Seine weiß-blaue Farbgebung erhielt der gesamte Innenraum 1965 nach Entwürfen der TU Dresden. Unter der Empore hängen zu beiden Längsseiten Gedenktafeln für die Gefallenen und Opfer der zwei Weltkriege. Im Ersten Weltkrieg starben fünf Angehörige der Familien Hübner aus Vitte und Neuendorf, im Zweiten Weltkrieg waren es drei. 1999 wird die Kirche Mitglied in der Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry und stellt ein Nagelkreuz auf. Einen Besuch lohnt auch der angrenzende Friedhof mit zahlreichen alten Grabplatten mit Hausmarken und Schiffsdarstellungen. Im neueren Teil des Friedhofs ruhen viele Künstler, Dichter und Denker, die Hiddensee für sich als Rückzugsgebiet entdeckt hatten. Auch der Dramatiker Gerhart Hauptmann (1862-1946), der 1885 erstmals nach Hiddensee kam und im Winter 1929 das Haus "Seedorn" als Wohnsitz erwarb, fand hier seine letzte Ruhestätte; ebenso wie die großartige Tänzerin und Tanzpädagogin Gret Palucca (1902-1993).
(weitere Quellen: "Die Inschriften des Landkreises Rügen" S. 129, Zeittafel in der Kirche)

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen auf Rügen und Hiddensee, Buch, Jürgen Schulz, Edition Temmen, 2006