Dorfkirche Thulendorf

Die Kirche, ein kleiner Feldsteinbau des späten Mittelalters, hat im Laufe der Zeit einige Veränderungen erfahren. Nach dem 30jährigen Krieg soll die Kirche in einem völlig verwüsteten Zustand gewesen sein. Die im Altarraum befindliche Jahreszahl 1663 deutet auf eine umfassende Restaurierung in dieser Zeit hin. Die Kirche besteht aus einem rechteckigen Schiff, an das sich ein sehr kleiner eingezogener Chor aus Mischmauerwerk anschließt. Der gedrungene, aus einem breiteren Untergeschoss und einer leicht eingezogenen quadratischen Glockenstube bestehende Westturm unterstreicht den Charakter einer Wehrkirche. Vermutlich war ursprünglich eine höhere Ausführung des Turmes angedacht, das Pyramidendach wurde erst später aufgesetzt. Auffällig sind die kräftigen, lisenenartigen Eckpilaster und das vielfach gestufte Portal mit dem schlanken rundbogigen Türdurchlass auf der Westseite. Die Ostgiebel von Chor und Schiff sind mit jeweils fünfteiligen Staffelblenden geschmückt. Die kleine Dreifenstergruppe der Ostwand sitzt in einer korbbogigen, durch Stäbe aus Backstein geteilten Nische. An den Ecken des Chores sind Strebepfeiler aufgestellt. Am Schiff befinden sich noch Stufenportale an Nord- und Südseite. an der südlichen Außenwand sind Reste einer Sonnenuhr zu entdecken. Der Innenraum ist flachgedeckt. Bei der letzten umfangreichen Renovierung 1982/83 wurden die Weihekreuze wieder hervorgehoben, Decke, Fußboden und Gestühl erneuert und die Kanzel bekam ihren jetzigen Platz. Sie ist ein Werk der Spätrenaissance, neben Sprüchen und Wappen taucht die Jahreszahl 1707 auf. Der Altaraufsatz ist älter, er stammt von 1664 und besteht im Wesentlichen aus einem Ölbild mit einer "Ecce homo"-Darstellung (Pilatus führt den gegeißelten Jesus zu den wartenden Juden heraus, Ev. Joh. 19,5). Von den ehemals vier größeren Wandmalereien ist nur noch eine Darstellung von Johannes dem Täufer zu sehen. Bemerkenswert sind zwei Kabinettscheiben von 1644 und 1672. Die Orgel ist ein Werk des Hoforgelbaumeisters Carl Börger aus Gehlsdorf und entstand um 1903. Das Instrument ist leider seit dreißig Jahren nicht mehr bespielbar. Ein altes Tafelbild zeigt das Gleichnis von den "klugen und törichten Jungfrauen". Die Kirche ist von einem kleinen Friedhof umgeben. Im Winter findet der Gottesdienst im benachbarten Gemeindehaus statt. Am Ortsausgang steht ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.
(weitere Quelle: Informationsblatt im Schaukasten)