Dorfkirche Kirch Jesar

Der Ort wird urkundlich bereits zum Ende des 14. Jahrhunderts als zum Lande Wittenburg gehörig erwähnt. Eine hölzerne Kapelle als Filiale von Warsow wird in Visitationsprotokollen des 16. Jahrhunderts beschrieben. Wahrscheinlich ein Opfer der Verwüstungen des 30jährigen Krieges, wird in einem weiteren Protokoll des Jahres 1705 geschrieben, dass da "... eine Capelle gewesen die vor etwa 50 Jahren darnieder gefallen" ist.
Die heute noch stehende Fachwerkkirche wurde 1717 vom Herzoglichen Mecklenburgischen Hofmarschall Johann Christoph von Halberstadt, der auf dem nahe gelegenen 'Sudenhof' seinen Sitz hatte, neu erbaut. Der rechteckige Fachwerkbau ist ein typisches Beispiel für die nach dem verheerenden Glaubenskrieg entstehenden Notkirchen. Dass die Kirche, wie viele andere auch, erst 70 Jahre nach Kriegsende entstand, spricht für die Not und die verhältnismäßig langsame Genesung von den Kriegsfolgen im gesamten Gebiet Mecklenburgs.
Die dreifach verriegelten Wandständer zeigen die Figur 'Wilder Mann'. Der westlich vorgesetzte Turm entstand erst 1847, aus dieser Zeit der umfangreichen Erneuerungen stammt auch im Wesentlichen die Innenausstattung. Nur der auf die Mitte des 18. Jahrhunderts datierte Kanzelaltar blieb bestehen. Die Ostwand ist mit einem Wandgemälde des regionalen Künstlers Willi Schomann (1881-1917) geschmückt und zeigt eine Darstellung des 'Jüngsten Gerichtes'. Das Wandbild entstand 1913, einhergehend mit einer noch heute bestehenden Farbgebung des hölzernen Inventars, und wurde im Jahr 2000 restauriert. Die Orgel ist ein Werk des Orgelbaumeisters Johann Heinrich Runge und wurde 1881 gebaut. Sie konnte 2004 restauriert und mit einem elektrischen Winderzeuger ausgestattet werden. Im Turm hängt eine Glocke, 1859 von HAUSBRANDT in Wismar gegossen.
Mit der Errichtung eines Pfarrhauses westlich in Sichtachse mit der Kirche in den Jahren 1874/75 wurde Kirch Jesar eigenständige Pfarre. Das Pfarrhaus macht mit seiner symmetrischen Bauweise und dem stattlichen Eingangsportal mit Freitreppe einen herrenhausartigen Eindruck.
Nordöstlich der Kirche steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
Der Gemeindefriedhof befindet sich etwas abseits der Kirche im Amselweg. Dort steht eine moderne Trauerhalle mit einem bogenförmigen Dach.
(weitere Quelle: Informationstafel "Der Sakralbauten-Radweg" vor der Kirche)   

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Parchim, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001