Dorfkirche Döbbersen (Gemeinde Wittendörp)
St. Vitus

Am Woezer See steht bereits seit dem Mittelalter eine beeindruckende Backsteinkirche, die 1194 zu den ratzeburgischen Stiftsgütern zählte und dem Heiligen Vitus (dt. auch VEIT) geweiht ist. Der seit dem späten Mittelalter als einer der 14 Nothelfer verehrte Heilige soll bereits als Kind zusammen mit seinem Erzieher MODESTUS und seiner Amme CRESCENTIA in der Christenverfolgung unter DIOKLETIAN (um 315) das Martyrium erlitten haben. Bekanntestes Beispiel für die architektonische Heiligenverehrung ist vielleicht der Veitsdom in Prag.
Die stattliche spätromanische Dorfkirche in Döbbersen wurde zu einer Zeit errichtet (vor 1255), in der die Verehrung der sogenannten Nothelfer äußerst populär war. Der rechteckige, über einem Feldsteinfundament errichtete Chor ist gegenüber dem quadratischen, aber etwas kürzeren Schiff leicht eingezogen; an das Schiff schließt sich ein schiffsbreiter, ebenfalls quadratischer Westturm an. Am Bauwerk lässt sich bereits der Übergang von Romanik zur Gotik erkennen. Zwar weisen alle drei Bauteile noch die romanische Lisenengliederung auf, doch sind die Fensterbögen von Schiff und Turm bereits in schlanken gotischen Spitzbogenformen ausgeführt, im Gegensatz zu den Rundbögen der gedrungenen Chorfenstern. Am Chor verläuft unter der Traufe ein Bogenfries, der ursprünglich wohl doppelt ausgeführt war. Ungewöhnlich ist das kleine Fenster der Ostwand mit gefastem Gewände und aufgestelltem Rundstab aus wechselnd glasierten Steinen. Ebenfalls ungewöhnlich ist das prächtige Stufenportal des Westturmes, das hier auf der Nordseite (!) zu finden ist. Ein weiteres Stufenportal in Wandvorlage, die sogenannte Totenpforte, befindet sich an der Chornordwand. Die Priesterpforte auf der Südseite wird durch einen später angefügten Sakristeibau verdeckt (eine Laienpforte wurde wohl überbaut). Die Westfassade des Kirchturms stammt aus der Wiederherstellung im Jahr 1995. Die verbretterte Glockenstube mit dem abschließenden Spitzhelm beherbergt zwei Glocken (1743, 1880). An der Südseite des Turmes befand sich eine Gruft, die mittlerweile abgetragen wurde, aber noch Einblicke in das Fundament gewährt.
Die Innenräume von Chor und Schiff sind eingewölbt. An den Chorwänden sind noch mittelalterliche Wandmalereien erkennbar. Der barocke Altaraufsatz wurde 1725-1729 von H.-J. Bülle geschaffen. Unter dem Chorgewölbe schwebt ein barocker Taufengel, der auf die achteckige Granitfünte aus dem 13. Jahrhundert herabgelassen werden kann. Die von der Firma Nußbücker aus Plau a.See 1972 gebaute Orgel steht auf der Westempore.
Vor der Kirche steht im Nordwesten das Kriegerdenkmal. Eine neue Gedenktafel verdeckt die in den großen Findling gehauene alte Inschrift. Wenige Schritte vom Kirchhof entfernt steht das alte Pfarrhaus, das sich vom Stil deutlich an den Kirchbau anlehnt. Am Ende des Dorfes befindet sich der Friedhof der Gemeinde, der von einer Feldsteintrockenmauer zur Straße hin begrenzt wird.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Parchim, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001