Dorfkirche Bentwisch

Der gotische Backsteinbau auf einem Feldsteinsockel wurde kurz nach 1300 begonnen und zwischen 1350 und 1370 fertiggestellt. Der eingezogene, polygonal schließende Chor ist über einen kräftigen Triumphbogen vom Kirchenschiff getrennt. Getreppte Strebepfeiler gliedern Chor und Schiff gleichmäßig. Im Norden ist eine Sakristei angefügt. Ost- und Westgiebel sind mit Spitzbogenblenden geschmückt. Die feingliedrigen gotischen Spitzbogenfenster geben besonders dem Chor ein unverwechselbares Aussehen. Von den ehemals drei spitzbogigen Stufenportalen wird heute nur noch das Westportal zum Eintritt in den Innenraum genutzt. Das Schiff ist von einer flachen Holzdecke überzogen, im Chor gibt es ein Kreuzrippengewölbe. Im Innern fällt der Blick sofort auf den qualitätvollen Flügelaltar mit seinen Schnitzfiguren aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Seine Entstehung wird der gleichen Rostocker Werkstatt zugeschrieben, die auch den Altar in der Dorfkirche Toitenwinkel schuf. Im Mittelschrein ist die Kreuzigung Jesu mit einer vielfigürlichen Zuschauergruppe dargestellt. Bemerkenswert ist die Darstellung des mit der Hand auf Jesus zeigenden Pilatus. Flankiert wird das Kreuz von paarweise angeordneten Glaubenszeugen und Schutzheiligen, insbesondere Frauengestalten. In den Seitenflügeln stehen die zwölf Apostel, am Rand jeweils ein Bischof bzw. Kirchenlehrer. Die bemalten Rückseiten der Flügel sind nicht mehr erhalten. Die Predella zeigt ein Abendmahlsgemälde aus dem Jahr der ersten Restaurierung 1690, das bei der zweiten Restaurierung 1852 nochmals übermalt wurde. Das gestaffelt dreibahnige Spitzbogenfenster in der Ostwand hinter dem Altar zeigt eine Glasmalerei aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Christus als "Guter Hirte" mit Lamm wird flankiert von den Apostelfürsten Petrus (links, mit Schlüssel und Buch) und Paulus (rechts, mit Schwert und Buch). In der Mitte vor dem Altar steht der Taufstein, ein industriell gefertigter achteckiger Kunststein aus dem 19. Jahrhundert, geschmückt mit neugotischem Maßwerk und Weinranken. In die Kuppa ist eine Schale aus Messing eingesetzt. Die hölzerne Kanzel mit Schalldeckel, ein Werk der Renaissance aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wurde 1972 von ihrem ursprünglichen Platz im Triumphbogen an den heutigen Ort in der Südostecke des Kirchenschiffs verschoben. Die Brüstungsfelder am Korb zeigen die Wappen der Stifterfamilien v.Vieregge und v.Weltzien sowie Christus als 'Salvator mundi' und Petrus mit Schlüssel. Bei der Renovierung 1972 wurden ebenfalls die Emporenseiten an Nord- und Südwand verkürzt und der Altartisch vor den Altaraufsatz gerückt. Zeitgleich übernahm die Kirche die Bänke aus der katholischen Christuskirche, die 1971 in Rostock am Schröderplatz gesprengt worden war. Zu den ältesten Ausstattungsstücken gehört ein Triumphkreuz, das um 1500 von einem unbekannten Meister geschnitzt wurde. Die Brüstung der U-förmigen Westempore zeigt auf der Südseite Patronatsbilder und Allianzwappen der Nicolas Hühnmörder/Maria v.Levetzow aus dem Jahr 1690. Die Orgel mit einem Prospekt im Tudorstil ist ein Werk des in Hamburg geborenen Orgelbauers Heinrich Rasche (1794-1876) aus dem Jahr 1852. Er ist ab 1833 in Rostock tätig und wird 1838 privilegierter Landes-Orgelbauer. Nach dem Konkurs seiner Firma 1843 wohnt er in Doberan und ist hauptsächlich nur noch als Orgelgutachter und -pfleger tätig. Die Bentwischer Orgel ist eines seiner wenigen Neubau-Instrumente. Sie hat 2 Manuale, 12 Register und Pedale mit mechanischen Schleifladen. Nach Ablieferung der Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken im Jahr 1917 wurden diese in den 1920er Jahren durch Zink-Pfeifen ersetzt. Um 1977 wurde die Orgel elektrifiziert und durch den Austausch von Pfeifen klanglich aufgehellt. Diese entstellenden Veränderungen wurden 2009 bei einer umfangreichen Restaurierung von Orgelbauer Andreas Arnold (Nußbücker, Plau am See) wieder rückgängig gemacht. Seit Ende 2014 hängt an der Schiffsnordwand auch wieder die Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus dem Kirchspiel Bentwisch. Eine lange Auseinandersetzung und Diskussion innerhalb der Gemeinde über die Art und Weise der Erinnerungskultur gipfelte in einer interessanten und denkwürdigen Lösung: Die ursprüngliche Holztafel wurde mit zwei schmalen durchsichtigen Plexiglasscheiben überdeckt, auf denen, im Gegensatz zu zeitgenössischen Tafel, zeitgemäße und angemessene Zitate aus der Heiligen Schrift angebracht wurden. Die Wände der Kirche beherbergen unter der weißen Putzschicht Fresken, deren Freilegung aber verworfen wurde. Südwestlich der Kirche steht ein hölzerner Glockenturm mit einem Zeltdach. Er stammt in seiner jetzigen Gestalt aus dem 18. Jahrhundert. 2009 wurde der Turm vollständig saniert. Von den ursprünglich zwei Glocken blieb nur die ältere erhalten. Sie wurde 1757 von Johann Valentin Schultz in Rostock gegossen und wiegt 20 Zentner. Die zweite Glocke aus dem Jahr 1794 wurde wohl 1916 eingeschmolzen. 1956 konnte dank der Hamburger Partnergemeinde eine 1.000 kg schwere Eisenhartguss-Glocke und im selben Jahr durch Sammlung der Gemeinde eine ebensolche 600 kg schwere Glocke aus der Gießerei Apolda beschafft werden. Die beiden neuen Glocken weisen u.a. eine Inschrift in Plattdeutsch auf. Der Kirchhof ist als Friedhof gestaltet und wird von einer Feldsteintrockenmauer umschlossen. Der Zugang erfolgt durch zwei spätmittelalterliche Portale. Das Kriegerdenkmal mit einem zentralen Findling und einer Steinmauer mit Namenstafeln steht auf einem kleinen Platz östlich gegenüber vom Kirchhof.

Quellen:
Dorfkirche Bentwisch, Flyer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Bentwisch,
Förderverein Dorfkirche Bentwisch e.V., Flyer, Förderverein Dorfkirche Bentwisch e.V.,