Dorfkirche Lübtheen (Stadt seit 1938)

Das 1363 erstmals urkundlich erwähnte Dorf ist slawischen Ursprungs. Der Name Lübtheen geht auf 'Lipta' = Linde zurück. Die Lindenstadt Lübtheen wurde erst 1938 eine richtige Stadt. Im Mittelalter wurde Lübtheen von dem benachbarten Dorf Jabel kirchlich betreut. Zunächst befand sich das Dorf im Besitz der Familie von Pentz, nach dem 30jährigen Krieg wurde es an den mecklenburgischen Herzog verkauft und 1682 eigenständige Pfarre. 1689 wurde eine Fachwerkkirche mit Turm und Glocke errichtet. Im Zuge der durch den Bergbau hervorgerufenen Blütezeit Lübtheens im 19. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl stark an und die Kirche wurde zu klein. Eine neue Kirche sollte her, aber sie sollte am selben Platz stehen und trotzdem wollte man die dreijährige Bauzeit nicht ohne Gottesdienst bestehen. So wurde die Fachwerkkirche auf Rollen gesetzt und von ihrem ursprünglichen Ort mit starken an Winden befestigten Tauen nach Süden verschoben und bis 1820 als Kirche weitergenutzt. An der freigewordenen Stelle errichtete man ab 1817 eine neue Kirche im klassizistischen Stil. Am 31. Oktober 1820 erfolgte laut einer Inschrift-Tafel die Weihe, doch war wohl der richtige Weihetermin der 4. Februar 1821. Das Besondere dieser Kirche liegt darin, dass sie nicht wie üblich in Ost-West-Ausrichtung, sondern aus Platzmangel in Nord-Süd-Ausrichtung erbaut wurde, somit steht der Turm mit seinem niedrigen, vierseitigen Pyramidenhelm im Norden des Bauwerkes. Die Fassade wird durch halbkreisförmige Lünetten über den Portalen und Fenstern gegliedert. Im Innern wurde dann doch die Ost-West-Ausrichtung beibehalten, was zu einer ungewöhnlichen Raumaufteilung führt. Der Altar und die Kanzel sind zu einem bemerkenswerten Baukörper verbnden und stehen an der Längsseite im Osten. Das Altarbild wurde vom Hofmaler Rudolf Friedrich Karl Suhrlandt (1781-1862) gemalt und zeigt die Emmaus-Geschichte. Das Gemeinde-Gestühl ist in U-Form um den Altar angeordnet, darüber erheben sich weitläufige Emporen. Dem Kanzelaltar gegenüber steht auf der Westempore die 1820 von Friedrich Jacob Friese (Friese I, 1765-1833) erbaute Orgel. Sie ist eine Stiftung des Gutsherrn Carl Friedrich von Pentz aus Volzrade. Es handelt sich um die größte noch erhaltene Orgel des Baumeisters Friese I, die seit 2003 auch wieder in den schönsten Tönen erklingt, nachdem sie für etwa 178.000 € unter Leitung von Andreas Arnhold umfangreich restauriert wurde. Die Emporen der Nord- und Südseite sind doppelstöckig errichtet, womit eine Platzzahl von 1.200 in der Kirche erreicht wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ ein Kantor an der oberen Südempore eine kleine Kanzel errichten, da er von dort mit seinen Chören die Gottesdienste musikalisch begleitete. Mitte der 1980er Jahre wurde unter der Südempore eine Winterkirche und unter der Nordempore ein Gemeinderaum mit Teeküche eingerichtet. Im Turm hängen zwei Glocken, eine Stahlguß- und eine Bronzeglocke. Auf dem Kirchenplatz steht im Norden ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen von 1870/71 und im Süden das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der weitläufige Friedhof der Stadt befindet sich in der Gipsstraße. Auf dem Friedhof befindet sich auch eine Kriegsgräberstätte für 64 Opfer des Zweiten Weltkriegs. Die katholische Kirche wurde 1956/57 aus einer ehemaligen Lagerhalle umgebaut (deshalb Stadt- und keine Dorfkirche).

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Parchim, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001
Die Kirche zu Lübtheen, Flyer,