Begräbnisstätte Stralendorf
Mausoleum der Grafen von Schack

Im Nordwesten des Stralendorfer Kirchhofes steht ein neugotisches Mausoleum. Es ist die Ruhestätte der Grafen von Schack. 1756 wurde an die spätmittelalterliche Kirche eine Grabkapelle für die Patronatsfamilie angebaut. Adolf Friedrich von Schack (1815-1894) ließ dann als Besitzer der Güter Zülow, Brüsewitz und Raden eine neue Kapelle (1878) erbauen. Der in Schwerin geborene Literaturhistoriker und Kunstmäzen war für seine Liebe zu den Ländern am Mittelmeer bekannt. So ist es nicht verwunderlich, dass 'seine' Grabkapelle dortigen Sakral- und Palastbauten ähnelt. "Sehr stimmungsvoll wirkt besonders das Innere dieser Familiengrabstätte, wenn die Sonne gedämpft durch die mit dem Lilienwappen geschmückten Glasfenster leuchtet. Dann umkost das Licht auch wie spielend den aus Olivenholz gefertigten Sarg des ..." in Rom verstorbenen Literaten, der als Erster die arabische Dichtkunst in Spanien durch meisterhafte Übersetzungen einem größeren Kreis zugänglich gemacht hat. "Auch mit eigenen Dichtungen, Schauspielen und Lyrik ist dieser ruhelose Weltenwanderer, der vom Vater zum Studium der Rechtswissenschaft gedrängt wurde, erfolgreich hervorgetreten." Es gab kaum einen Künstler von Bedeutung im Deutschland um 1850, der nicht freundschaftliche Beziehungen zu v. Schack gehabt hätte. Seine Liebe galt neben der Literatur vor allem auch der deutschen Malerei, was sich in einer umfangreichen Gemäldesammlung (Schack-Galerie München) äußerte. Die Kirche in Stralendorf erhielt von ihm das Gemälde 'Christi Grablegung', ein Werk des Historienmalers Friedrich Lange, 1869 geschenkt. Das Bild ist noch heute in der Kirche zu sehen.
"Adolf Friedrich Graf von Schack war unverheiratet und kinderlos geblieben, hatte aber vier Geschwister: die Schwestern Elise (1813-1867), Bertha (1817-1854) und Klara (1836-1903) sowie den jüngeren Bruder Rudolf (1815-1906)." Dieser Bruder Rudolf hatte in erster Ehe einen Sohn, den in Rostock geborenen, aber in Zülow aufgewachsenen Offizier Ulrich Graf v. Schack (1853-1923), der wiederum seinen militärischen Dienst quittierte, eine 'Bürgerliche' heiratete und nach St. Goar am Rhein zog. Aus der Ehe stammten fünf Kinder. Das vierte, ein Junge, wurde am 3. August 1888 geboren und nach seinem Großonkel Adolf Friedrich Graf von Schack benannt. Dieser Großneffe schlug ebenfalls die Laufbahn als Berufssoldat ein und kämpfte als Hauptmann eines Garde-Regiments auf verschiedenen Kriegsschauplätzen im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg wurde er Landwirt und übernahm nach dem Tod seines Vaters das Familiengut in Zülow. Infolge der Weltwirtschaftskrise wurde das Gut 1932 zwangsversteigert. Schack selbst wurde 1939 als Major wieder aktiver Offizier und nahm am Feldzug gegen Frankreich teil. Anfang 1944 wurde er an die Berliner Stadtkommandantur versetzt, sein Vorgesetzter war der Stadtkommandant Generalleutnant Paul von Hase (1895-1844). Von Hase war ein führendes Mitglied der Verschwörergruppe des 20. Juli 1944, dem Attentat auf Adolf Hitler. Von Schack wurde als Adjutant v. Hases für mitschuldig am geplanten Attentat befunden und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Adolf Friedrich Graf v. Schack wurde am 15. Januar 1945, gegen 14.40 Uhr, im Zuchthaus Brandenburg-Görden erschossen. "Den letzten Wunsch des Hingerichteten, seine Asche beim Grabe seiner Eltern im Radeland in Zülow beizusetzen, konnten ihm die Kinder nicht erfüllen. Denn sie erfuhren nie, wohin die sterblichen Überreste des Vaters gebracht worden waren. Seit dem 7. Oktober 2000 erinnert aber eine Gedenktafel in der Familiengrabstätte derer von Schack [...] an den Mitverschworenen des 20. Juli 1944, der wie viele andere deutsche Patrioten seinen Mut mit dem Leben bezahlen musste."
(Quelle: "Zwischen Kaiserzeit und Mauerfall" Chronik der Gemeinde Stralendorf Teil 2, Jürgen Seidel) 
 

Quellen:
Zwischen Kaiserzeit und Mauerfall - Chronik der Gemeinde Stralendorf Teil 2, Buch, Jürgen Seidel, Gemeinde Stralendorf, Turo Medien Druck GmbH, Schwerin, 2014