Dorfkirche Granzin b. Boizenburg (Gemeinde Greven)
mit Mausoleum der Familie v. Stern

Granzin, das "Grenzdorf", wird 1230 erstmals urkundlich erwähnt. Eine Kirche wird 1335 bezeugt. Die heutige Kirche, ein schlichter klassizistischer Bau von 1842, hat den freistehenden Glockenturm aus Fachwerk mitsamt den beiden mittelalterlichen (1509 u. 1510) Bronzeglocken von diesem Vorgängerbau übernommen. Der Kirchbau wird durch gestufte Strebepfeiler gegliedert. Im Osten ist eine halbrunde Apsis angefügt. Die Fenster sind rundbogig geschlossen. Über dem Eingangsportal auf der Südseite sitzt zudem ein einzelner Fensterbogen.
Im Innern eine Flachdecke mit Kreuz-Malerei sowie Jugendstil-Malereien an den Wänden und in der Apsis. Die Innenausstattung ist zeitgenössisch.
Die Orgel wurde aber bereits 1831 von Friedrich Jacob Friese (Friese I) für die Vorgängerkirche gebaut, dann aber durch Johann Heinrich Runge umgebaut und 1841 in die neue Kirche umgesetzt.
Der Altar ist von durchbrochenen Schranken umgeben. Auf dem Altar steht ein rechteckiges Ölgemälde, das Jesus im Garten Gethsemane zeigt. Die schmucklose Kanzel mit Fuß und Aufgang besitzt keinen Schalldeckel. Der Taufstein ist eine zwölfeckige, neugotische Arbeit aus Kalkstein mit aufgelegter Schale aus Bronze. Im Kirchenschiff eine von Süd über West nach Nord umlaufende Empore. An der Westbrüstung hängt eine Ehrentafel der Gefallenen und Teilnehmer des Ersten Weltkriegs. Zu beiden Seiten des Orgelprospekts hängen zudem Tafeln für die Veteranen der Kriege des 19. Jahrhunderts.
An der Nordwand steht die Heizungsanlage: ein Schachtofen der Firma Käuffer & Co. aus Mainz.
Im Glockenturm steht ein dreijochiger Glockenstuhl. Im östlichen und mittleren Feld hängt jeweils eine Glocke mit gotischer Minuskel-Inschrift.
Glocke I mit einem Durchmesser von 1207 mm wurde 1509 von Kort (Cord) van der Heyde gegossen. Die Glocke zeigt zu beiden Seiten Figurenreliefs: eine männliche Gestalt in zeittypischer Tracht, stehende Muttergottes.
Glocke II mit einem Durchmesser von 925 mm wurde 1510 von Hinrik van Campen gegossen und zeigt als Reliefbild Johannes den Täufer.
Im Untergeschoss des Turmes steht das schmiedeeiserne Uhrwerk der Turmuhr aus dem 18. Jahrhundert.
Der Kirchhof ist als Friedhof gestaltet. In der Südwestecke steht ein neugotisches Mausoleum mit Wappen der Familie von Stern im Giebeldreieck. Alte Grabplatten vor den Zugängen verweisen ebenfalls auf die Familie v. Stern. Im Innern der Gruft stehen noch einige Särge der Patronatsfamilie. Die spitzbogigen Fenster des Mausoleums zeigen farbenprächtige figürliche Glasmalereien. Auf dem Friedhof stehen noch etliche alte Grabsteine, z.T. unter verwildertem Buschwerk, so soll sich sogar ein jüdischer (!) Grabstein hier befinden.
Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, gewidmet vom Kriegerverein Granzin und Umgegend sowie den Einwohnern der umliegenden Ortschaften, steht vor dem Kirchhof.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Parchim, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001