Dorfkirche Flecken Zechlin (Stadt Rheinsberg)
Stadtkirche, Friedhof, sowj. Ehrenfriedhof

Zu Beginn der Christianisierung im ausgehenden 12. Jahrhundert gehörte das Gebiet um 'Cychalin' dem Wendenfürsten Niklot von Werle, der es 1237 dem Zisterzienserkloster Doberan schenkte. Bald darauf bauten die vom Kloster entsandten Mönche einen Klosterhof in Flecken Zechlin. Rund herum begann die deutsche Besiedelung. Das Dorf Zechlin bildete sich heraus und dort entstand auch um 1300 eine Wehrkirche. 1422 wurde die gesamte Ortslage durch einen Einfall mecklenburgischer Truppen verwüstet. Erst viele Jahre später entwickelte sich im Ort wieder Leben. Handwerk und Handel ließen den Ort wachsen. Mit dem Marktrecht ausgestattet, hatte sich im 18. Jahrhundert der Ort zu einer kleinen Stadt gemausert. Die am Marktplatz errichtete Kirche ist ein klassizistischer Rechteckbau aus dem Ende des 18. oder vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Am Westgiebel des abgewalmten Satteldaches erhebt sich ein quadratischer Turmaufsatz in die Höhe. Der verputzte Ziegelbau ist durch Lisenen gleichmäßig gegliedert. Die Portale an Nord- und Westseite sind mit einer Leiste übergiebelt. Die schlanken, gitterförmigen Fenster sind mit einem Segmentbogen geschlossen. Die Ostwand mit zwei Fenstern zeigt noch ihre unsanierte Form.
Der Innenraum ist mit einer verputzten Flachdecke geschlossen. Die Inneneinrichtung ist schlicht und stilübergreifend. Hinter dem einfachen Altartisch hängt an der Ostwand eine gerahmte Kreuzigungsgruppe. Vermutlich handelt es sich um den Mittelteil eines ehemaligen Altaraufsatzes aus der Zeit der Spätrenaissance (17.Jh.). Aus der gleichen Zeit kann auch das hölzerne Taufbecken stammen. An den Seiten der achteckigen Taufe sind die Bildnisse der vier Evangelisten und von Christus als Salvator mundi angebracht. Die drei weiteren Felder sind mit den Stifterwappen derer von der Weide und von Schlieben sowie einer Inschrift belegt. Die heutige Kanzel könnte einmal als Korb zu einem Kanzelaltar gehört haben. Die U-förmige Empore umläuft das gesamte Kirchenschiff und ruht auf acht hölzernen Säulen. In die rot und cremefarbend bemalte Brüstung ist die Orgel mit ihrem schlichten Prospekt in klassizistischen Formen eingefügt. Zwei gewaltige Rundsäulen erheben sich hinter der Orgel vom Fußboden bis zur Decke und tragen die Last des Glockenturmes. An der Nordwand hängt ein Gemälde, das die Kreuzabnahme Jesu zeigt. An der Südwand befindet sich eine Gedenkstätte an die Opfer der Nazi-Diktatur und daneben hängt die Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.
Der Kirchenraum wird auch für Ausstellungen genutzt.
Hinter der Kirche im Osten befindet sich ein kleiner Denkmal-Platz.
Am westlichen Rand des Ortes befindet sich der Friedhof der Gemeinde. Über dem Friedhofstor steht geschrieben: Gott segne deinen Ausgang und Eingang. Auf dem weitläufigen Areal befinden sich zahlreiche ältere Grabstätten, ein eiserner Glockenstuhl mit einer kleinen Glocke, eine Kriegsgräberstätte für gefallene Soldaten des Zweiten Weltkriegs und eine schmucklose Leichenhalle am anderen Ende des Friedhofes.
Am nordöstlichen Ortseingang befindet sich ein sowjetischer Ehrenfriedhof mit 13 Grabplatten gestorbener sowjetischer Offiziere und Soldaten. Bemerkenswert sind die z.T. deutsch-jüdischen Namen der Bestatteten wie z.B. die Majore Stein und Tauber, aber auch Leutnant Rachlin Israel Samuilowitsch. Laut der Todesdaten handelt es sich mehrheitlich um nach Kriegsende verstorbene Soldaten, vermutlich Verwundete aus einem am Ort befindlichen Lazarett.