Dorfkirche Dorf-Zechlin (Stadt Rheinsberg)

Zu Beginn der Christianisierung im ausgehenden 12. Jahrhundert gehörte das Gebiet um 'Cychalin' dem Wendenfürsten Niklot von Werle, der es 1237 dem Zisterzienserkloster Doberan schenkte. Bald darauf bauten die vom Kloster entsandten Mönche einen Klosterhof in Flecken Zechlin. Rund herum begann die deutsche Besiedelung. Das Dorf Zechlin bildete sich auf der heutigen Feldmark links der Straße nach Flecken Zechlin heraus. Dort entstand um 1300 eine Wehrkirche mit deren Turm der Bau begonnen wurde. Mächtige Mauern und dicke Tore boten Schutz vor räuberischen Horden. Die Balkenverriegelung im Turminneren ist heute noch vorhanden. Schießscharten in der Turmwand kennzeichnen den wehrhaften Charakter des Gotteshauses. 1422 wurde die gesamte Ortslage durch einen Einfall mecklenburgischer Truppen verwüstet. Ob die Kirche dieser Verwüstung standhielt, ist nicht zweifelsfrei bekannt. Die Art des Mauerwerkes mit der doch eher ungeordneten Struktur der Feldsteine lässt auf einen Wiederaufbau zum Ende des Mittelalters schließen. Bekannt ist, dass das Kirchenschiff 1549 unter Beibehaltung des blendengeschmückten Backsteingiebels nach Osten verlängert wurde. Im 18. Jahrhundert wurden die ursprünglich schmalen und sehr hohen Fenster barock überformt.
Barock geprägt zeigt sich auch der von einer Holzbalkendecke überzogene Innenraum. Die Innenausstattung stammt im Wesentlichen aus der Renovierung unter Pastor Döllen im Jahr 1722. Obwohl 1539 die Reformation Einzug gehalten hatte, wurde die aus katholischer Zeit stammende Sakramentsnische bei der Verlängerung der Kirche 1549 in der Ostwand belassen.
Die schlichte Kanzel und der hölzerne Taufständer mit Deckel stammen bereits aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der Deckel der Taufe symbolisiert den brandenburgischen Kurfürstenhut in Erinnerung an die Zeit um 1600, als die Kronprinzen des brandenburgischen Herrscherhauses in Flecken Zechlin residierten und ihre Kinder hier taufen ließen.
Der barocke Hochaltar wurde 1960 vom Künstler Münzlinger aus Brandenburg restauriert. Das Mittelbild zeigt die Kreuzigung Christi, in der Predella ein Abendmahlsbild, flankiert von den Bildnissen der vier Evangelisten; auf dem Gesims ein Bild der Auferstehung und in der Bekrönung die Himmelfahrt - so der architektonische Aufbau, geschmückt mit Engeln, gekuppelten Säulen und reichlich Akanthusrankenwerk.
Bankgestühl der Gemeinde und die aufgeständerte Westempore mit Baluster-Brüstung runden die Ausstattung ab. Der barock nachempfundene Prospekt auf der Westempore beinhaltet eine pneumatische Orgel von Alexander Schuke / Potsdam aus dem Jahr 1913 (Opus 91). Im Altarraum steht eine zweite Orgel, 1981 von der Firma Sauer aus Frankfurt/Oder errichtet.
Vom Künstler Münzlinger stammt auch das Sgaffito an der südlichen Westwand unter der Orgelempore. Auf der Empore sind an Nord- und Südwand Gedenktafeln für die Gefallenen der zahlreichen Kriege und für den Prediger J. I. Bietz (+1822) angebracht.
Hinter der Kirche steht das alte Pfarrhaus. In diesem Haus wurde am 24. April 1880 der vielseitige Gelehrte Hans Much geboren, wie uns eine Tafel am Haus bekanntgibt.
Auf dem Kirchhof südlich der Kirche steht eine alte Eiche.
Der Friedhof der Gemeinde befindet sich am nordöstlichen Ortsausgang.

Quellen:
"Mutterkirche" in Dorf Zechlin, Flyer, Evangelisches Pfarramt Flecken Zechlin,