Dorfkirche Kagar (Stadt Rheinsberg)

Erste urkundliche Erwähnung findet Kagar im "Ruppinschen Landbuch" 1525 als Besitzung des Kurfürsten Joachim I., der erste Lehensbrief stammt von 1536. Doch die Dürftigkeit des Landstriches reizte deutsche Siedler nicht wirklich zur Besitznahme. Der Name geht zurück auf die Begriffe 'Gehege' oder 'Wald'. Im 30jährigen Krieg wurde die äußerst kleine Ansiedlung verwüstet. Man spricht sogar davon, dass die ersten Christen erst 1686 hierher kamen und das waren 20 hugenottische Familien, welche aufgrund des 'Edikt von Potsdam' als Glaubensflüchtlinge von Frankreich in das Herrschaftsgebiet des Kurfürsten Friedrich Wilhelm übersiedelten. So entsteht eine französisch-reformierte Gemeinde mit ihrem Pastor J. Roccard, die bis 1721 im Dorf lebt und sich später der reformierten Gemeinde Rheinsberg anschließt. Im 18. Jahrhundert gibt es drei Pastoren für die Gläubigen im Dorf: franz.-reformierte, deutsch-reformierte und ev.-lutherische Geistliche. Für die ev.-luth. Gemeinde wurde 1763 eine kleine Fachwerkkirche im Dorf errichtet. 1899 musste das Gotteshaus wegen Baufälligkeit gesperrt werden und 1908 erfolgte der Abriss der Kirche. Zwischen 1908 und 1909 wurde die neue Kirche an gleicher Stelle errichtet. Kaiserin Viktoria Auguste (1858-1921), im Volksmund 'Kirchenjuste' genannt, unterstützte den Kirchbau mit einem Patronatsbeitrag von 9.312,48 Reichsmark. Für diesen Beitrag wurde der Kaiserin auch ein Patronatsgestühl mit direktem Zugang von draußen im vorderen Teil der Kirche eingerichtet. Die Kirche ist ein asymmetrischer Backsteinbau im neugotischen Stil. Dem blendengeschmückten Staffelgiebel auf der Westseite wurde ein quadratischer Glockenturm an der Südwestecke beigestellt. Das Geläut aus zwei Glocken und die Turmuhr stammen aus dem Jahr 1912, eine Reparatur erfolgte 1997. Im Osten schließt der Bau polygonal, die Südseite ist für die Sakristei und die Patronatsempore entsprechend ausgebaut und mit einem separaten Zugang ausgestattet. Der Zutritt zur Kirche erfolgt über das Westportal im Turm. Der Innenraum ist von einer hölzernen Deckenkonstruktion in Form einer Halbtonne überzogen, die mit Ornamentmalerei im Jugendstil geschmückt ist, auch die Ausstattung ist vom Jugendstil geprägt. Die Wand hinter dem Altar zeigt eine Vorhangmalerei, die mit dem schlichten Altaraufsatz angenehm korrespondiert. Auch die Glasmalereien in den kleinen Chorfenstern fügen sich gut ein. An der Südwand des Altarraumes steht ein Beichtstuhl, davor der Taufstein, an der Nordwand wurde die Kanzel aufgestellt. Auf der Westempore steht eine pneumatische Orgel aus der Erbauerzeit. Der Prospekt im neobarocken Stil ist mit großen Flügeltüren versehen und aufwendig bemalt. Von der Decke hängt ein formschöner, hölzerner Kronleuchter herab. Gedenktafeln erinnern an die Gefallenen der Befreiungskriege und des Ersten Weltkriegs. Die Kirche wie auch das Gemeindehaus wurden zwischen 1995 und 1997 mit erheblichen finanziellen Mitteln komplett restauriert. Ein Friedhof befindet sich am Ortseingang. Dort steht eine kleine Trauerhalle und eine Grabstelle erinnert an drei unbekannte Soldaten, die in den letzten Kriegstagen 1945 gefallen sind.
(Quelle: Informationsblatt in der Kirche)