Dorfkirche Blüthen (Stadt Karstädt)

An der Ecke der Dorfstraße steht ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Napoleonischen Befreiungskriege 1813, 1913 im Sinn und Geist der Drohung an den Todfeind Frankreich gesetzt. Kaum zehn Jahre später musste im Pfarrgarten des sich anschließenden Pfarrhauses ein neues Denkmal enthüllt werden. Es nennt die Namen der im Wahnsinn 1914-1918 getöteten Mitglieder der Gemeinde Blüthen. Im Pfarrhaus lebte bis 1994 der Pfarrer Dr. Dr. Groß. Heute dient es als Kirchenarchiv und Ausstellungsraum.
Hinter dem Pfarrhof beginnt der Friedhof. In seiner Mitte steht die spätmittelalterliche Feldsteinkirche. Die unsaubere Schichtung der Feldsteine lässt auf eine Entstehung im 15. Jahrhundert schließen. Eindrucksvoll ist der als Treppengiebel gestaltete Ostgiebel. Die Dreifenstergruppe der Ostwand wurde wohl verändert. Zwei alte Grabplatten wurden rechts und links der drei schmalen und mit Segmentbogen geschlossenen Fensterschlitze an der Wand aufgestellt. Ihre Inschriften sind aber kaum noch lesbar. Auch die spitzbogigen Fenster in den Längsseiten wurden wohl in späteren Zeiten vergrößert. Die spitzbogige Priesterpforte auf der Südseite könnte aber ebensogut auch aus der Erbauerzeit stammen.
Der im Westen vorgesetzte und teilweise verbretterte Fachwerkturm mit schindelgedecktem Spitzhelm stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Im zweijochigen Glockenstuhl hängen zwei Bronzeglocken mittelalterlichen Ursprungs, wobei die eine Glocke eine sehenswerte Ritzung einer Darstellung der Madonna mit dem Kinde im Strahlenkranz zeigt. Im Turmraum sind andere Einrichtungsstücke der Kirche in Form einer kleinen Ausstellung arrangiert, z.B. Reste der barocken Sakristeiverkleidung aus dem 18. Jahrhundert oder die Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
Der Innenraum der Kirche ist flachgedeckt und verputzt. Die Inneneinrichtung besticht durch ihre Schlichtheit. Der separat gestellte Kanzelkorb könnte einmal Bestandteil eines Kanzelaltars gewesen sein. Die achteckige Taufe ist neugotische Massenware.
Durchaus eindrucksvoll ist dagegen eine Glasmalerei im nördlichen Chorfenster. Das Buntglasfenster von 1874 zeigt den aus dem Grabe erstehenden Christus vor einer andächtig verharrenden Mutter mit Kind. Laut Inschrift ließ ein gewisser Guilelmus (Wilhelm) Steinhausen 1874 dieses Grabmal in liebevoller Erinnerung an seine Mutter, die gemeinsam mit ihrem Enkel hier zur letzten Ruhe gebettet liegt, errichten.
Im hinteren Teil des die Kirche umgebenden Friedhofs steht eine moderne Trauerhalle.