Kapelle Griebenow (Gemeinde Süderholz)
ehemalige Schlosskapelle

Als fünfzehnseitiger roter Zentralbau stellt die 1616 aus Fachwerk auf Feldsteinsockel errichtete ehemalige Schlosskapelle unter den Dorfkirchen Vorpommerns eine Ausnahme dar. Die das kräftig profilierte Hauptgesims tragenden Eckständer besitzen geschnitzte Maskendekors. Das steile Zeltdach mündet in einer schlanken Spitze.
Den lichten, architektonisch gut proportionierten Innenraum mit hölzernen toskanischen Wandsäulen überdeckt ein vielrippiges Zeltgewölbe.
Bald nach der Fertigstellung des Baus mögen noch im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts die Kanzel, die Empore und das Kastengestühl entstanden sein.
Die weitere Innenausstattung erfolgte zwischen 1650 – 1656 unter dem Patronat des schwedischen Adligen Gerdt Antoniison Rehnskiöld und seiner Frau Birgitta. In seiner Person ergibt sich auch der Bezug zum Hause Keffenbrinck, die Grafenfamilie aus der der Schwede ursprünglich stammte war auch im 19. Jahrhundert Patron der Kapelle.
Auf dem 1654 fertiggestellten Altar findet man das Wappen des Diplomaten Johan Adler Salvius, woraus zu schließen ist, dass dieser Herr der Stifter des Altars gewesen ist. Der prachtvolle Altaraufsatz mit einem Bild des Gekreuzigten und der bekrönenden Figurengruppe des Pantokrators zwischen den Allegorien von Glaube und Hoffnung zeigt bereits barocke Stiltendenzen.
Die Kanzel zeigt in den Brüstungsfeldern Tafelbilder von den Evangelisten und am Aufgang Aaron und Mose, wobei Kanzelkorb und Schalldeckel mit reichem Dekor aus Schweifgrotesken, Engelköpfchen und kleinen Engelfiguren mit den Leidenswerkzeugen Jesu geschmückt sind. Unter dem Schalldeckel schwebt der Geist Gottes in Gestalt der Taube. Vor der Kanzel steht zudem noch ein Lesepult.
An der nördlichen Wand befindet sich unter einer dem schwedischen Barock angelehnten Vorhangmalerei die Orgelempore. Das Spielwerk der kleinen Orgel aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts konnte 1969 gründlich instand gesetzt werden. Die Brüstung der Empore zieren gemalte Wappen der Familien v. Rehnskiöld und v. Keffenbrinck. Ein weiterer Wappenschild v. Keffenbrinck hängt gegenüber an der Wand neben der Patronatsloge, an deren Seitenwand die Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs eingebaut ist.
Über dem westlichen Eingang hängt ein Epitaph für die im Kindbett am 6. September 1739 verstorbene Maria Louise F(T)ietzen, den ihr Ehemann am 20. November 1739 stiftete. Das Bild zeigt die Kreuzabnahme Jesu. 
Der reizvolle Bau nach schwedischem Vorbild und seine Ausstattung wurden 1949 restauriert. Unter dem Fußboden befindet sich wohl auch eine Gruft, wie an einer kleinen vergitterten Maueröffnung an der Südostwand erkennbar ist.
Im freistehenden quadratischen Glockenstuhl, durch den hindurch der Zugang zu dem von einer Backsteinmauer umgebenen Kirchhof führt, hängen zwei Bronze-Glocken von 1653 und 1655. Die Inschrift und Wappen verweisen auf den Kirchenpatron 'Gerhardt Anthoni Rehnschild' und seine 'Adeliche Hausfrau Brigita'. Gegossen wurden die Glocken bei M. Peter Barner in Greifswald.
Auf dem Friedhof befindet sich eine Familiengrabstätte der Grafen von Keffenbrinck aus dem 19. Jahrhundert und eine weitere Gedenkstätte mit Findling und Grabtafel für Dr. jur. Friedrich Ernst Freiherr von Langen-Keffenbrinck (1860-1935).

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Von Der Recknitz Bis Zum Strelasund - Offene Kirchen I, Broschüre, Jana Olschewski, Thomas Helms, Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006