Dorfkirche Prerow a. Darß (Ostseebad)
Seemannskirche

Die Seemannskirche in Prerow ist die älteste Kirche vom Darß. Sie wurde 1726 bis 1728 erbaut. Damals war Martin Henrici Pastor der evangelischen Gemeinde (sein Bild hängt an der Südseite des Altarraumes). Ursprünglich war das Gotteshaus in Fachwerkbauweise auf einem Granitsteinfundament errichtet worden. Im Innern ist die Ständerbauweise aus Holz noch zu erkennen. Der hölzerne Kirchturm wurde 1727 errichtet. Er diente als Landmarkenzeichen den Schiffen, die in den Prerowstrom einfuhren als Ansteuerungspunkt. Um Verwechlungen in der Orientierung zu vermeiden, durften die umliegenden Ortschaften keinen Kirchturm haben.
Von 1740 bis 1830 entschloss man sich in Prerow, die Fachwerkkirche in einen Backsteinbau umzuwandeln. Der darauf entstandene geräumige Saalbau besitzt eine von Holzstützen getragene hölzerne Tonnendecke.
Das Dach der Kirche ist als einseitiges Walmdach ausgebildet. Ein schräg vom Dachfirst abfallendes Satteldach erhält am Giebel der Ostseite ein zusätzliches schräges Dachteil, das als sogenanntes Krüppelwalmdach endet.
Eine von außen angebaute Apsis hat hier nicht die Funktion der Altaraufnahme; sie hat keine offene Verbindung zum Chor, sondern dient lediglich als Sakristei.
Das Kirchenschiff weist eine Länge von etwa dreißig Metern auf und die Breite beträgt etwa fünfzehn Meter. Zur Breite hinzu kommen jeweils Vorbauten an südlichem und nördlichem Seitenschiff von jeweils vier Metern. Die südliche Vorhalle, auf den auch der geradlinige Weg von der Kirchhofspforte hinführt, ist heute der Haupteingang.
Der Innenraum wird dominiert durch das helle Kastengestühl, die umlaufende Empore und vor allem durch einen schönen Kanzelaltar, den der Stralsunder Meister Elias Keßler 1728 schuf. In den Jahren 1933/34 ließ Pfarrer Dr. Wilhelm Pleß einen Teil der den Altarraum einengenden Emporen entfernen und gab dem Innenraum eine neue Farbgebung. Bei der Sanierung 1985 erhielt die Kirche dann ihre ursprüngliche, barocke Farbgebung wieder zurück.
In der Werkstatt des ebenfalls in Stralsund ansässigen Meisters Michel Müller entstand 1740 ein aufwendiges Taufgehäuse mit ornamental durchbrochenen Brüstungsfeldern und einem von Engelhermen getragenen, kräftig profilierten Flachdach, das Engelputten mit Inschriftkartuschen und der bekrönende Jesus als Guter Hirte zieren. In der Mitte des Gehäuses, dessen monumentalere Vergleichsstücke in den Stralsunder Kirchen St. Nikolai und St. Marien zu finden sind, steht der geschnitzte eigentliche Taufständer mit Engelköpfchen am Becken und Engelputten als Träger; der hohe Deckel ist als eine bewegte Engelwolke ausgebildet.
Besonders sehenswert sind auch die zahlreichen Votivschiffe und zwei Kronleuchter, einer aus Kristallglas und der andere in Messing mit eingravierten Namen der Stifter.
Die Orgel soll von einem Stralsunder Orgelbauer (vielleicht Fr. A. Mehmel, seit 1858 in Stralsund tätig; oder Joh. Fr. Nerlich) stammen und Mitte des 19. Jahrhunderts gefertigt worden sein.
Über der südlichen Eingangstür hängt ein Gemälde zum Gedenken an ein Schiffsunglück am 13. Dezember 1690.
Rings um die Kirche liegt der Kirchhof mit dem Friedhof. Der älteste hier erhaltene Grabstein soll aus dem Jahr 1690 stammen. Weitere Grabsteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind rund um die Seemannskirche aufgestellt. Unter den zahlreichen Grabsteinen, die zur See gefahrenen Gemeindemitgliedern gewidmet sind, ist die Stele für Gustav Kaeding und seine Frau aus dem Jahr 1861 mit einem über die Wellen gleitenden Segelschiff und dem Auge Gottes mit Kreuz und Anker besonderer Beachtung wert. An der Ostseite der Kirche befinden sich auch die Grabkreuze der Prerower Pastoren Klamroth und Dr. Pleß. Auch das Grab eines sowjetischen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg ist weiter östlich zu finden. Vor dem Kirchhof steht im Süden eine moderne, reetgedeckte Trauerhalle.
Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges steht in der Mitte des Ortes.

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Die Kirchen Auf Dem Darss, Broschüre, Janos Stekovics, Verlag Janos Stekovics, 2005