Dorfkirche Prohn

Am Ort oder zumindest in unmittelbarer Nähe einer ehemaligen slawischen Fürstenburg wurde in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts (nach 1250) mit dem eingezogenen quadratischen Chor und der Nordsakristei in spätromanischen Formen der Bau der stattlichen Backsteinkirche begonnen, Anfang des 14. Jahrhunderts wurde das spätgotische zweischiffige Langhaus als Halle von zwei Jochen angefügt.
Der Chor besitzt im Osten eine Dreifenstergruppe und der Giebel ist reich mit Blenden verziert.
Bei der Restaurierung 1858-1862 unter Johann Michael Lübke wurde der jetzige schmale Westturm mit den offenen Seitenhallen nördlich und südlich des alten kleineren Turmstumpfes vorgesetzt.
Erhielt das geräumige Kirchenschiff wohl schon am Ende des 14. Jahrhunderts vier kräftige Kreuzrippengewölbe, die von einem achteckigen Mittelpfeiler getragen werden, so wurde der Chorraum erst rund 100 Jahre später mit einem spätgotischen Netzgewölbe überdeckt. An ihm sind Reste einer zeitgleich gemalten Darstellung des Jüngsten Gerichts und grotesker Drolerieköpfe freigelegt und restauriert worden.
Die aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammende Triumphkreuzgruppe mit der "ehernen Schlange" aus der Wüstenwanderung auf der Rückseite - im Ostseeraum einmalig - hat jetzt ihren Platz hinter dem neuen Altartisch gefunden.
Von der im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts in der Werkstatt des Stralsunder Meisters Elias Keßler entstandenen reichen barocken Ausstattung blieben immerhin die üppig mit Akanthus und figürlichem Schmuck dekorierte Kanzel (1723/24), ein großer schwebender Taufengel (1727/28) eine Engelfigur als Lesepultträger und ein wesentlich kleinerer Engel von der ehemaligen Altarwand von Jakob Freese (1756/58) erhalten.
Kulturgeschichtlich interessant und von guter künstlerischer Qualität ist auch das zu einem Epitaph des Heinrich Westphal und seiner Familie (J.Hagemeister-Epitaph?) gehörende Tafelbild von 1635 (+1676?), auf dem unter einer figurenreichen Darstellung der Kreuzigung der Stifter und seine Angehörigen kniend dargestellt sind (durch eine Spende der Familie 2000 restauriert).
Unter den später an den Wänden aufgerichteten mittelalterlichen Grabplatten trägt die für den 1482 verstorbenen Radelef Beket eine in den Stein geritzte Darstellung einer Hanse-Kogge. Sie ist eine der ältesten Darstellungen einer Kogge in diesem Gebiet und daher auch kulturgeschichtlich sehr interessant.
Die Orgelempore mit gemalten Wappen in den Brüstungsfeldern stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Orgel im neugotischen Prospekt wurde 1858 vom Stralsunder Orgelbaumeister Friedrich Albert Mehmel gebaut und 1963 von Alexander Schuke, Potsdam, klanglich umgestaltet.
Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde eine Restaurierung des Innenraumes nach heute eher umstrittenen Maßstäben (Beseitigung der Emporen etc.) vorgenommen.
In den Chorfenstern befinden sich Glasmalereien: in der mittleren Bahn der östlichen Dreifenstergruppe eine Madonna mit Kind vor der Architekturkulisse des himmlischen Jerusalem, entstanden um 1855; an der Nordseite Brustbilder des Evangelisten Johannes und des Apostels Petrus mit stilisierten Wappen im Sockel, wohl 1911 enstanden.
Im Turm hängen zwei Glocken aus Eisenhartguß, die 1958 von Schilling in Apolda als Ersatz für die zu Kriegszwecken abgelieferten Bronzeglocken gegossen wurden.
Den Kirchhof betritt man durch neugotische Backsteinportale von 1858. Auf dem Friedhof befindet sich die Grabstelle der Familie Hagemeister mit Grabplatten aus Sandstein aus dem 19. Jahrhundert.
Einige Meter von der Kirche entfernt steht ein Findling mit der Aufschrift zur Mahnung an die Toten der Weltkriege.

 

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Von Der Recknitz Bis Zum Strelasund - Offene Kirchen I, Broschüre, Jana Olschewski, Thomas Helms, Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006