Dorfkirche Nehringen (Gemeinde Grammendorf)
St. Andreas

Der verputzte Backsteinsaal in barocken Formen ist im Kern mittelalterlich und wurde um 1350 als Kapelle dem Apostel Andreas geweiht. Seit 1498 Pfarre, erfolgte um 1600 durch Bernd von Buggenhagen der Neubau einer Kirche in Renaissanceformen. Die Kirche verdankt ihr jetziges Aussehen der umfassenden barocken Umgestaltung zur Schlosskirche in den Jahren 1721-1726 durch den damaligen schwedischen Generalgouverneur für Rügen und Vorpommern Graf Johann August von Meyerfeldt. Bei der Umgestaltung erhielt der Chor seinen polygonalen Abschluss (1722).
1744/45 wurde der quadratische Westturm mit Sockel und Eckrustika sowie einem rundbogigen Portal aus Sandsteinquadern umfangreich repariert. Der Turm endet seitdem in einer kupfergedeckten Haube mit offener Laterne.
1722 wurde der Innenraum mit einer verputzten Bretterdecke überspannt und diese mit großen Gemälden von Anbetung und Himmelfahrt Christi bemalt.
Neben den großen Decken- und zwei Tafelgemälden vervollständigen Kanzel, Taufengel, Beichtstuhl, Patronatsloge und die beiden Wappenepitaphe auf der Orgelempore samt Orgelprospekt den geschlossenen barocken Eindruck.
Nehringen gilt als eines der letzten erhaltenen Ensembles schwedischen Barocks in Vorpommern. Besonders hervorzuheben ist der künstlerisch qualitätvolle Renaissancealtar von 1598. Mit seinen aus italienischer Schule stammenden Marmorreliefs ist er das bedeutendste Stück der Ausstattung. An den Predellaenden zeugen Familienwappen der Familie Schoultz von Ascheraden von den Stiftern der Restaurierung des Altars im 19. Jahrhundert. Die Familie v. Pachelbel, ein weiterer Zweig derer v. Ascheraden, war bis zur Enteignung 1945 Patron der Kirche. Eine Grabstätte vor der Kirche erinnert an sie.
Zur Ausstattung gehört noch die restaurierte und in den barocken Prospekt eingesetzte Mehmelorgel von 1869. Unter dem Tafelbild an der Nordwand sind die Gedenktafeln für die Gefallenen der letzten großen Kriege angebracht. Es ist bedrückend zu sehen, wie sich die Zahl der Gefallenen von Krieg zu Krieg erhöhte.
Im Turm hängt heute nur noch eine der ursprünglich zwei Glocken. Die große Glocke von 1697 musste während des Ersten Weltkriegs abgeliefert werden und wurde zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Die erhaltene, kleine Bronzeglocke ist undatiert und stammt aus dem späten Mittelalter. Sie gehörte zur 1598 abgerissenen Kirche von Dorow.
Der Kirchhof wird von einer Wehrmauer mit Schießscharten umschlossen. Die Mauer stammt aber erst von 1837 mit einer Erhöhung von 1852, das Friedhofsportal wurde 1897 erneuert.
1945 begann der Verfall der Kirche, die später wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste. Dank zahlreicher Spenden, auch der Partnergemeinde St. John in Chambersburg, USA, und dem Einsatz von Küster Klaus Bergemann konnte die Kirche am 21. Juni 1992 wieder eingeweiht werden.
Im Norden des Kirchhofes erstreckt sich ein kleiner Friedhof.
(Quelle: Informationstafel)

 

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Von Der Recknitz Bis Zum Strelasund - Offene Kirchen I, Broschüre, Jana Olschewski, Thomas Helms, Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006