Dorfkirche Glewitz
St. Margarete

Die Margarethenkirche in Glewitz, ein 1851 nachträglich verputzter Backsteinbau, wird lange Zeit nur aus dem Ende des 13. Jahrhunderts errichteten Chor mit polygonalem Ostschluss und getreppten Strebepfeilern bestanden haben, das kreuzrippengewölbte Langhaus wurde erst in spätgotischer Zeit angebaut und nach starken Kriegsschäden 1686 restauriert, 1719 wurde das Chorgewölbe erneuert. Das quadratische und annähernd schiffsbreite Untergeschoss des Westturmes deutet auf eine Nutzung als Wehrturm im Mittelalter hin. Der mächtige fensterlose Feldsteinbau hat lediglich ein Stufenportal auf der Westseite. Mit seinen Abmaßen könnte er hoch hinaus ragen, doch leider wurde der Bau in Traufhöhe eingestellt. Den Abschluss bildet heute ein eingezogener, quadratischer Holzaufsatz mit einem flachen Pyramidendach und einer Wetterfahne mit Hahn. Im Turm hängt eine mittelalterliche Glocke (ca. 1375).
Die Stufenportale auf der Nord- und Südseite sind durch eine weiße Farbgebung hervorgehoben. Die Priesterpforte an der Chorsüdseite sitzt in einer Wandvorlage.
Im Innenraum sind vor allem die farbliche Architekturfassung aus der Zeit vor 1300 und die umfangreichen Wandmalereien von 1370 hervorzuheben.
Wie in einem mittelalterlichen Comic werden Geschichten aus dem Leben Jesu und Heiligenlegenden erzählt. Art, Umfang und Erhaltungszustand der 1995 wiederentdeckten Malereien machen die Kirche zu einem bedeutenden Baudenkmal des gesamten norddeutschen Raumes. Neben der sehr dominanten Darstellung der Margaretenlegende auf der Südwand von Chor und Kirchenschiff sind ein Passionsfries und andere Darstellungen von Heiligen, Legenden und biblischer Geschichten gemalt: u.a. elf Aposteldarstellungen, Erasmus, Apollonia, Dorothea, Melchisedek, Antonius, Christophorus, Martin von Tour, Verkündigung an Maria, Anbetung der Könige, Pfingstgeschehen, Legende von den drei Lebenden und den drei Toten, sowie fünf Wappen der Familie von Zepelin.
Zur Ausstattung gehören weiterhin ein in unseren Breiten eher seltenes Perücken-Kruzifix mit Evangelistensymbolen (E.15.Jh.), die um 1800 entstandene Kanzel im Empirestil mit drei gemalten Szenen aus dem Leben Jesu und einem Schalldeckel, auf dem über den Tafeln mit den Zehn Geboten ein Christus (oder Putto?) mit Bibel und Kreuz steht, ein neugotischer Altaraufsatz mit dem segnenden Christus im Stile der Thorwaldsenschule (1869), ein Beichtstuhl (1683) sowie eine sehr kostbare Schnitzfigur der Hl. Katharina aus dem ehemaligen Marienaltar (ca. 1400), zudem noch ein Lesepult mit Taufengel aus der Entstehungszeit der Kanzel, heute wieder in der Farbgebung des frühen Klassizismus.
Die Orgel wurde 1844 von Johann Friedrich Schulze gebaut. Die Brüstung der Orgelempore wurde 1920 als Gefallenen-Denkmal gestaltet.
Die Kirche wird von einem Friedhof umgeben, auf dem z.T. noch sehr alte Grabkreuze und -platten stehen. Im Norden steht eine moderne Trauerhalle.
Auf dem Friedhof hat ein sowjetischer Soldat seine letzte Ruhestätte gefunden.

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Von Der Recknitz Bis Zum Strelasund - Offene Kirchen I, Broschüre, Jana Olschewski, Thomas Helms, Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006
Die Entwicklung der Orgel - Der Mecklenburgische Orgelbau, Katalog, Mecklenburgisches Orgelmuseum Malchow, Friedrich Drese, G4 grafikdesign Rostock, Stadtdruckerei Weidner Rostock, 2007