Dorfkirche Wusterhusen

Von der hier nach der Mitte des 13. Jahrhunderts errichteten und durch den Camminer Bischof Hermann von Gleichen geweihten Kirche blieben fast nur die aus sorgfältig geschichteten Feldsteinmauerwerk bestehenden Seitenwände des ursprünglich rechteckigen Chores erhalten. Das gleichzeitig entstandene einschiffige Langhaus wurde nämlich am Anfang des 15. Jahrhunderts durch eine dreischiffige Halle mit quadratischem Westturm ersetzt und der Chor durch einen polygonalen Anbau im Osten erweitert.
Da Chor und Langhaus damals Kreuzrippengewölbe erhielten, sind sie mit kräftigen Strebepfeilern umstellt worden. Das architektonisch bedeutsamste Ergebnis des um die Mitte des 15. Jahrhunderts abgeschlossenen Umbaus war die Errichtung des Westturmes.
Das im Dreißigjährigen Krieg eingestürzte nördliche Seitenschiff wurde bald danach mit geringerer Breite und ohne Wölbung erneuert. An der Nordseite des Chores befinden sich auch eine Sakristei mit Gewölbe und ein Stufenportal der Totenpforte. Das prächtige Stufenportal der Priesterpforte mit glasierten Steinen wurde zugesetzt, ebenso mit einem Fenster die Laienpforte, beide auf der Südseite. Am Schiff befindet sich zudem eine kleine Pforte auf der Nordseite, diese entstand wohl in der Zeit nach dem Einsturz des nördlichen Seitenschiffes.
1972 trat bei der Gesamtrestauration des Chores die ursprüngliche Architekturfarbigkeit aus dem 13. bzw. 15. Jahrhundert wieder zutage. An der Leibung des Bogens zwischen Chor und östlicher Erweiterung wurden sechs Bildszenen aus dem 1. Viertel des 15. Jahrhunderts freigelegt, in denen in gemalten rechteckigen Rahmen die Heiligen Gertrud von Nivelles, Christophorus und Georg dargestellt sind; in drei weiteren Szenen sind die Anbetung durch die drei Könige, die Flucht nach Ägypten und Christus als Weltenrichter dargestellt.
Der am Anfang des 16. Jahrhunderts wohl im Auftrag des unehelichen Sohnes Christoph von Pommernherzog Bogislaw X. (1454-1523) geschaffene spätgotische Schnitzaltar wurde 1650 mit zwei Flügelpaaren in ein barockes Rahmenwerk gestellt, das von üppigem Knorpelwerkdekor umgebene Tafelbilder des Malers Caspar Niemann (mit Ausnahme der Predella) enthält. Die ursprüngliche, geschnitzte Marienkrönungsgruppe im Mittelschrein wurde durch ein Bild der Kreuzigung ersetzt. Sichtbar blieben vorerst die jeweils vier in den Flügelkästen stehenden gotischen Heiligenfiguren. Die erste Wandlung der Flügel zeigt Tafelbilder mit Szenen aus dem Marienleben. Bei der Renovierung 1739 wurden dann auch die Schnitzfiguren der Heiligen in den Flügeln durch die zwei größeren barocken Figuren des Mose und Aaron aus der Werkstatt des Stralsunder Meisters Michel Müller ersetzt. 1882 wurde der Altaraufsatz ganz zur Seite gestellt. Für seine erneute Aufstellung 1974 sorgte die vollendete Restaurierung, die durch die bewegliche Anbringung der Flügel auch alle Tafelbilder wieder zugänglich machte.
Die Chorapsis besitzt ein prächtiges kleinteiliges Sterngewölbe mit Schlusssteinen. In den östlichen Wänden sind Sakramentsnischen eingefügt. Die Weihekreuze der Apsis aus dem 15. Jahrhundert unterscheiden sich doch sehr deutlich von denen des Chores aus dem 13. Jahrhundert. Im Chor gibt es zudem noch eine ältere Sakramentsnische in der Südwand. Während die dreibahnigen hochgotischen Fenster der Apsis mit neugotischen Glasmalereien in Grisailletechnik geschmückt sind, zeigt die spätromanische Dreifenstergruppe in der Chorsüdwand die malerische Hervorhebung der Architekturdetails des Mittelalters.
Das älteste Ausstattungsstück der Kirche ist eine romanische Tauffünte mit der Darstellung der vier Urströme des Paradieses in Form von Maskenköpfen an der Kuppa. Der Taufstein stammt aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts und wird somit als ca. 40 Jahre älter angesehen als die gesamte Kirche. Erwähnenswert ist noch ein barocker Pultengel, dessen Arme eine Taufschale hielten. Leider ist die gesamte Skulptur stark beschädigt und vom Holzwurm zerfressen. Die Kanzel ist ein Werk der Spätrenaissance (1.H.17.Jh.), der Korb wird von einer Mosesfigur getragen, Schalldeckel und Portal wurden im 18. Jahrhundert ergänzt.
An der Wand des stark beschädigten nördlichen Seitenschiffs liegen Bruchstücke der Gedenktafel zu Ehren der Gefallenen der reichsgründenden Kriege 1870/71. Die Gedenktafeln für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurden provisorisch an die Westwand gelehnt.
Das Gemeindegestühl, die schiffsumlaufenden Emporen und der fünfteilige Prospekt der großen Orgel sind einheitlich in holzfarbenden klassizistischen bzw. neugotischen Formen gehalten. Die Orgel wurde 1841 von Carl August Bucholz gefertigt und 1923 durch den Kolberger Orgelbauer HEINTZE erweitert.
Der umgestaltete Turmraum kann heute für Trauerfeiern genutzt werden.
Im Turm hängt ein Geläut aus drei Glocken; die jüngste Glocke wurde 1996 bei Bachert in Heilbronn gegossen, die älteste Glocke mit einem Durchmesser von 129 Zentimetern stammt noch aus dem Mittelalter, die zweite von 1419.
Der Kirchhof wird von Norden über ein Backsteinportal mit segmentbogigem Durchgang und Stegblenden betreten. Der Kirchhof ist als weitläufiger Friedhof gestaltet.
Wenige Schritte von der Kirche in nördliche Richtung entfernt befindet sich das Kriegerdenkmal des Ersten Weltkrieges. Um ein adlerbekröntes Mal sind im Kreis herum Feldsteintafeln aufgestellt, die die Namen der Gefallenen aus den zum Kirchspiel gehörenden Dörfern nennen.

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage