Dorfkirche Kargow (Unterdorf)

Eine erste Kirche ist als frühgotischer Feldsteinbau mit rechteckigem Grundriss für das Ende des 13. Jahrhunderts belegt. Seit 1331 gehörte sie als Filiale zu Federow und das Patronat lag beim Prämonstratenser-Kloster Broda. Für die frühe Entstehungszeit spricht die saubere Schichtung der Feldsteinquader im Sockelbereich des Mauerwerkes. Vermutlich wurde die Kirche mehrfach geplündert, geschliffen oder sogar ganz zerstört. Andere Quellen legen die Errichtung des heutigen Kirchbaus in das Jahr 1486. Der einfache Saalbau mit geradem, schmucklosen Ostgiebel zeigt in der Ostwand eine unverändert erhaltene Dreifenstergruppe. Die Fenstergruppen der Längsseiten wurde 1909 in die als ursprünglich eingeschätzte Form zurückversetzt: zwei Fensterschlitze mit breitem Pfeiler unter einer gedrückten Spitzbogenblende. Über dem profilierten Stufenportal auf der Nordseite erinnert eine Inschrift an die Renovierung der Kirche 1909. Das ebenfalls profilierte Westportal ist seit ca. 1900 zugesetzt. Auf der Südseite gibt es eine Sakristei, wohl aus der Erbauerzeit.
Der Innenraum ist mit einer Balkendecke flachgedeckt. Die gesamte Innenausstattung mit hölzernem Altaraufsatz, Kanzel, Patronatsgestühl, Taufe, Lesepult, Gemeindegestühl, Westempore, ja sogar der gußeiserne Ofen im Chor, wie auch die Wandbemalung und die Buntglasfenster der Ostwand stammen von 1909. Die Figuren der Glasmalerei stellen Moses, Johannes der Täufer und Jesaja dar. Die Orgel wurde 1914 gestiftet und in der Stettiner Werkstatt von Felix Grüneberg gebaut (Opus No. 711). Nach dem Ersten Weltkrieg kam eine Gedenktafel für die gefallenen Gemeindemitglieder an die Ostwand. Das Patronatsgestühl auf der Nordseite nennt die Namen und zeigt die Wappen der Kargower Gutsherren zwischen 1741 und 1909. Im 14. Jahrhundert wurde eine Familie Pritzbuer mit dem Dorf belehnt, es folgte im 15./16. Jahrhundert die Familie Kastorf. Der Gutshof wurde zum Ende des 16. Jahrhunderts von der Familie v. Below angelegt. Ein Gutshaus entstand spätestens um die Mitte des 18. Jahrhunderts unter Familie v. Schuckmann. Vorher waren noch die Familien v. Thomstorf (ab 1633) und v. Erlenkamp (ab 1688) die Besitzer des Gutes. Nachfolger wurde ab 1839 die Familie Nicolai. Leopold Nicolai stiftete als Kirchenpatron 1841 die bei C. Illies in Waren gegossene Bronzeglocke, die wahrscheinlich in dem hölzernen Westturm gehangen hat. Den freistehenden Glockenstuhl gibt es erst seit der Renovierung 1909, wobei der Turm wohl abgerissen wurde. Das heutige Gutshaus im Oberdorf wurde nach 1866 unter Carl Julius Neumann errichtet. Von 1880 bis 1945 war das Gut im Besitz des mit seinem Vorgänger nicht verwandten August Neumann aus Lapitz. Dieser Familie gehört die eingezäunte Grabstelle an der Ostwand der Kirche. Ein Grabstein erinnert an Richard Neumann, den Sohn von August, beide Herren ließen als Kirchenpatron 1906 die Glocke bei M.&O. Ohlsson in Lübeck umgießen, weil diese gesprungen war. Richard Neumann ließ 1909 umfangreiche Renovierungsarbeiten an und in der Kirche ausführen. Die gesamte Innenausstattung stammt aus dieser Zeit. Hanns Conrad Neumann fiel 1944 im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Auf seinem Gedenkstein ist das Eiserne Kreuz mit Hakenkreuz noch gut erkennbar. Auf dem die Kirche umgebenden Friedhof befinden sich die Gräber von drei polnischen Zwangsarbeitern, die am 30. April 1945 ums Leben kamen. Erst in den 1970er Jahren wurde Kargow mit sogenannten Karpaten-Deutschen aufgesiedelt. Die nichtoffiziell als Vertriebene angesehenen Familien gehörten der katholischen Kirche an. Sie wurden nie richtig in das Dorf integriert, lebten aber ihren Glauben weiter. Die evangelische Kirchgemeinde stellte dafür ihre alte Dorfkirche zur Verfügung. So kommt es, dass noch heute regelmäßig einmal im Monat ein katholischer Wortgottesdienst in den alten Gemäuern abgehalten wird. Für die katholische Tradition steht die Marienfigur links neben dem Altar. Heute sind es die noch wenigen Enkelkinder der damaligen Aussiedler, die den katholischen Gottesdienst besuchen und die Gräber ihrer Vorfahren auf dem Friedhof pflegen. Wie lange wird es noch eine katholische Tradition in Kargow geben?
(weitere Quelle: Informationstafeln an Kirche und Gutshaus)