Kapelle Vitt (Gemeinde Putgarten)
Uferkapelle

Wer vom Kap Arkona aus entlang der Steilküste auf das Fischerdörfchen Vitt zuwandert, findet sich plötzlich vor einer kleinen reetgedeckten Kapelle wieder, die einsam inmitten der Landschaft steht. Ungewöhnlich wie ihre Erscheinung ist auch die Geschichte der Vitter Uferkapelle.
Der in Altenkirchen tätige Pastor Ludwig Gotthard Kosegarten war auch für Vitt zuständig. Weil er aber den Fischern von Vitt während der Heringssaison unmöglich den sieben Kilometer langen Fußmarsch nach Altenkirchen zumuten konnte, rief der Pastor sie auf einem freien Platz im Angesicht des Meeres zum Gottesdienst zusammen. Seine "Uferpredigten" waren schon bald in aller Munde. Um dem Wetter zu trotzen, ließ Kosegarten mit Hilfe der damals zuständigen schwedischen Regierung 1806 eine kleine Kirche errichten. Die achteckige Kapelle aus verputzten Feldsteinen konnte wegen der französischen Besetzung aber erst 1816 geweiht werden. 1852 erfolgte noch der Anbau der Vorhalle, die als Sakristei genutzt wurde. Ursprünglich war die Kapelle mit Holzschindeln gedeckt. Diese sind heute durch ein Reetdach ersetzt, dessen Spitze ein Eichenholzkreuz ziert.
Durch sechs dreiteilige Spitzbogenfenster, die mit Fensterläden verschließbar sind, entstand ein lichter Raum.
Der Innenraum wirkt durch seine Schlichtheit auf den eintretenden Besucher. Der klassizistischer Kanzelaltar stammt aus dem Jahr 1882. Als einzigen Schmuck leistete sich Kosegarten - wie schon in Altenkirchen - eine Kopie des Gemäldes "Christus rettet den im Meer versinkenden Petrus" von Philipp Otto Runge. Der Maler - er war in Wolgast ein Schulkind bei Kosegartens gewesen - malte das Bild unentgeldlich für die Kapelle. Leider ist Runge vor der Vollendung des Kapellenbaus verstorben, so dass sich das Original heute in der Hamburger Kunsthalle befindet und in der Kapelle eine Kopie verblieb.
Naturbelassene Holzbänke und einfache Steinplatten auf dem Fußboden runden den schlichten Charakter des Gotteshauses ab.
Der bekannte italienische Maler Prof. Gabriele Mucchi war von der kühlen Schönheit der Kapelle so begeistert, dass er 1990 das Wandbild "Sturm bei Vitt" anfertigte, das eine Menschengruppe darstellt, die besorgt zu den in stürmischer See in Not geratenen Fischerbooten schaut; überragt von einer überlebensgroßen Gestalt des Hl. Christopherus, der Christus als Kind über das tobende Meer trägt.
Eine zeitgenössische Schnitzfigur zeigt eine Mutter mit Kind als Mariendarstellung.
(weitere Quelle: Informationsblatt in der Kirche)

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen auf Rügen und Hiddensee, Buch, Jürgen Schulz, Edition Temmen, 2006
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage