Dorfkirche Groß Plasten

Der verputzte Zentralbau mit Kuppel auf Granitsteinfundament im neobarocken Stil und Elementen des Jugendstils wurde zwischen 1898 und 1901 nach Plänen des "Lieblingsarchitekten des Kaisers" Franz Schwechten errichtet. Die Kirche wird deshalb auch oft als "die kleine Schwester der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche" bezeichnet. Der Grundriss zeichnet ein griechisches Kreuz.
Die Eingangshalle mit tief eingelassenem markanten Portal und Glockenturmaufsatz in Form einer offenen Laterne beherbergt eine kleine Stahlgußglocke.
Inneneinrichtung aus Sandstein mit auffälligem Mosaikfußboden, Altar mit Erzengel als Träger, Kanzel mit Evangelistenreliefs auf filigranen Säulen stehend, Patronatsloge mit Familienwappen als Sandsteinrelief, Westempore auf Säulen stehend mit Orgel von W. Sauer, 1901, vergoldeter Apostelleuchter, Gedenktafel für die Weltkriegsgefallenen.
Grund für den Kirchbau war ein Streit der Familien von Friedrich v.Michael und Ernst v.Blücher über den Plastener See, worauf die Groß Plastener nicht mehr in die Kirche nach Klein Plasten durften und der promovierte Mecklenburger Jurist Friedrich von Michael die Groß Plastener Kirche errichten ließ. Die Familie von Michael war erst 1844 in den Adelsstand erhoben worden. Ein Familienzweig in Schönhausen bei Strasburg war bereits erloschen. In Bassow und Voigtsdorf (bei Friedland) zeichnete sich Ähnliches ab. Auch in Ihlenfeld (bei Neubrandenburg) und eben Groß Plasten fehlten noch die Stammhalter. So heirate am 15. August 1892 Friedrich v.Michael (1857-1929) die zu Anfang des 20. Jahrhunderts als die reichste Person zwischen Schwerin und Neustrelitz bekannte Elsa Haniel (1871-1955). Die Tochter des Duisburger Großindustriellen Julius Haniel und der Henriette Luise Caroline Böcking, Tochter des Stahlbarons Heinrich Rudolf Böcking war Großaktionär eines Konzerns, der noch heute zu den Top 10 der 500 größten deutschen Familienunternehmen zählt. Den Großindustriellen winkte somit der Adelstitel und dem Gutsbesitzer eine reiche Mitgift und die Aussicht auf einen Stammhalter. Die Mitgift wurde u.a. in den Kirchbau gesteckt, der Stammhalter wurde nie geboren, die kinderlose Ehe nach zwölf Jahren 1904 geschieden. Am 14. Dezember 1911 heiratete Friedrich v. Michael die 1882 geborene Irmgard Freiin von Kirchbach. Sie schenkte am 10. März 1917 mit Friedrich August von Michael der Familie den lang ersehnten Erben. Friedrich August diente als Hauptmann im Zweiten Weltkrieg und heiratete 1943 Gudrun von Wedelstaedt. 1945 wurde die Familie v.Michael enteignet, die Frauen (Mutter und Ehefrau) und der 1944 geborene Sohn Friedrich Karl nahmen sich Ende April 1945 das Leben und ruhen auf dem Friedhof hinter der Kirche. Dort findet sich auch ein Soldatengrab. Friedrich August v. Michael heiratete 1955 zum zweiten Mal, der Ehe mit Ingrid Scheer wurde 1957 der Sohn Karl Friedrich geboren, der Vater stirbt 2007 in München. 

Quellen:
Herrin auf Groß Plasten war eine reiche Prinzessin, Zeitungsartikel, Helmut Borth, Nordkurier, 29.05.2017