Dorfkirche Witzin

Erste urkundliche Erwähnung findet Witzin als nun deutsches Bauerdorf in einer Schenkungsurkunde von Fürst Borwin II. an das Antoniter-Kloster Tempzin. Die spätromanische Feldsteinkirche mit geradem Chorabschluss, Dreifenstergruppe und blendengeschmücktem Ostgiebel wurde um 1270 über einem geschrägten Sockel errichtet. Anders als die paarigen Fenster der Längsseiten mit tiefen, rundbogigen Leibungen, ist die leicht gestaffelte Dreifenstergruppe in eine mit Winkelsturz übergiebelte Backsteinblende eingebettet. Der Ostgiebel zeigt ein großes Blendenkreuz.
Der fast quadratische Westturm mit Bischofsmütze zeigt noch den Charakter eines Wehrturmes, er wurde wohl im 16. Jahrhundert angefügt. Die Entstehungszeit des nördlichen Anbaus bzw. der Nordsakristei ist unklar. Im Dreiecksgiebel setzt sich das Blendenkreuz fort. Die nahezu halbkreisförmigen Fensterblenden lehnen sich im Stil an die Gestaltung der Schiffsfenster an. Allein die Position des Anbaus an der Schiffswand und nicht am Chor lässt die Funktion als Sakristei und damit die Entstehung zur Erbauerzeit vergessen. Näher erscheint die Nutzung als Zugang zur Patronatsloge und damit die Entstehung im 17. Jahrhundert.
Im 30jährigen Krieg wurde der Ort praktisch ausgelöscht, später aber wieder erfolgreich neubesiedelt. Die unregelmäßige Schichtung der Feldsteine in einigen Mauersegmenten lässt auf den Wiederaufbau der Kirche nach den zerstörerischen Wirren des Krieges schließen. Dabei können Anbau, Fenster, aber auch die Schmuckelemente der Ostwand neu gestaltet worden und das Westportal entstanden sein. Portale in Süd- und Nordwand wurden zugesetzt. Möglicherweise wurde auch eine bauzeitliche Sakristei auf der Nordseite später abgerissen. Im Innern wurde eine alte Trogmühle verbaut.
Die bauzeitliche Ausmalung wurde in den 1980er Jahren durch Kunststudenten wiederhergestellt, wobei fehlende Motive leichter zu ergänzen waren, da ihre Umrisse durch Einritzungen im Putz erkennbar waren. Chor und Schiff sind durch einen mächtigen Triumphbogen getrennt und beide gewölbt.
Die einheitliche neugotische Ausstattung stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Das wimpergbekrönte Altarbild zeigt die Darstellung der Verklärung Christi (Mt. 17,1.ff, Mk. 9,2.ff, Lk 9,28.ff). Süd- und Nordseite des Altarraumes sind mit einem Chorgestühl belegt, an das sich auf der Südseite eine Kanzel mit Fuß und Aufgang anschließt. Die Gemeinde nimmt auf einem schlichteren Bankgestühl Platz. Auf der Westempore steht eine Orgel mit ebenfalls wimpergbekröntem Prospekt. Die einmanualige, mechanische Schleifladenorgel wurde 1894 von dem weniger bekannten und nicht so sehr mit seinen Werken verbreiteten Orgelbauer Edmund Bruder (1845-1911) aus Wismar hergestellt. Auf der Empore hängt an der Südwand eine Gedenktafel für die "decorirten Veteranen der Gemeinde Witzin aus den Feldzügen der Jahre 1808-1815". Im Turmraum liegt ein Gedenkbuch für die Opfer des II. Weltkriegs aus.
Bemerkenswert sind die Berührungspunkte von christlicher Religion und alttestamentlichen Wurzeln in der Witziner Kirche. Dazu steht im Turmraum vor einem lebensgroßen Kreuz eine Nachbildung der Bundeslade und im Altarraum eine Menora; der siebenarmige Leuchter aus dem Tempel Jerusalems, in seiner Symbolkraft den Baum des Lebens oder die sieben Gaben des Heiligen Geistes darstellend.
Ebenfalls im Turmraum wurde die nach der Restaurierung der Wetterfahne abgenommene Kreuzspitze aufgestellt. In der Glockenstube des Turmes hängen zwei Bronzeglocken mit Inschriften, die über lange Seile aus dem Turmraum geläutet werden können. Ein kleines Joch im Glockenstuhl ist frei, vermutlich wurde eine Glocke zu Kriegszeiten eingeschmolzen. (Genauere Informationen zu den Glocken erbeten)
Während sich im Altarraum eine Taufe aus Industriestein befindet, steht die Kuppa einer Granitfünte unter der alten Linde auf dem Kirchhof, der als Friedhof gestaltet ist. Das Dorf gestaltete sich zu einem Bauerdorf, ab 1807 gab es in Witzin 5 Großbauern, 21 Büdner und zahlreiche besitzlose Einlieger. Die Grabanlage der Bauernfamilie Schmidt verweist auf eine mittlerweile 500jährige Tradition in der Feldarbeit.
Etwas abseits der Kirche steht auf dem begrünten Platz zwischen Schmiedebrink und Büdnerstraße die am 8. Mai 2005 neu errichtete Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege und Diktaturen. Die Steintafel mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs war nach 1945 vor der Zerstörung gerettet und auf einem Sockel an der Nordseite des Westportals der Kirche aufgestellt worden.
Im ca. drei Kilometer von Witzin entfernten Loiz betreibt Inhaber Br. Uwe Seppmann unter dem Namen "Beth-Emmaus" ein christliches Gästehaus. Im Haus ist eine kleine Kapelle eingerichtet.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen Wismar-Schwerin, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001