Dorfkirche Witzin

Erste urkundliche Erwähnung findet Witzin als nun deutsches Bauerdorf in einer Schenkungsurkunde von Fürst Borwin II. an das Antoniter-Kloster Tempzin. Die spätromanische Feldsteinkirche mit geradem Chorabschluss, Dreifenstergruppe und blendengeschmücktem Ostgiebel wurde um 1270 über einem geschrägten Sockel errichtet. Anders als die paarigen Fenster der Längsseiten mit tiefen, rundbogigen Leibungen, ist die leicht gestaffelte Dreifenstergruppe in eine mit Winkelsturz übergiebelte Backsteinblende eingebettet. Der Ostgiebel zeigt ein großes Blendenkreuz.
Der fast quadratische Westturm mit Bischofsmütze zeigt noch den Charakter eines Wehrturmes, er wurde wohl im 16. Jahrhundert angefügt. Die Entstehungszeit des nördlichen Anbaus bzw. der Nordsakristei ist unklar. Im Dreiecksgiebel setzt sich das Blendenkreuz fort. Die nahezu halbkreisförmigen Fensterblenden lehnen sich im Stil an die Gestaltung der Schiffsfenster an. Allein die Position des Anbaus an der Schiffswand und nicht am Chor lässt die Funktion als Sakristei und damit die Entstehung zur Erbauerzeit vergessen. Näher erscheint die Nutzung als Zugang zur Patronatsloge und damit die Entstehung im 17. Jahrhundert. Im 30jährigen Krieg wurde der Ort praktisch ausgelöscht, später aber wieder erfolgreich neubesiedelt. Die unregelmäßige Schichtung der Feldsteine in einigen Mauersegmenten lässt auf den Wiederaufbau der Kirche nach den zerstörerischen Wirren des Krieges schließen. Dabei können Anbau, Fenster, aber auch die Schmuckelemente der Ostwand neu gestaltet worden und das Westportal entstanden sein. Portale in Süd- und Nordwand wurden zugesetzt. Möglicherweise wurde auch eine bauzeitliche Sakristei auf der Nordseite später abgerissen. Im Innern wurde eine alte Trogmühle verbaut. Die Kuppa einer Granitfünte steht unter der alten Linde auf dem Kirchhof, der als Friedhof gestaltet ist. Das Dorf gestaltete sich zu einem Bauerdorf, ab 1807 gab es in Witzin 5 Großbauern, 21 Büdner und zahlreiche besitzlose Einlieger. Die Grabanlage der Bauernfamilie Schmidt verweist auf eine mittlerweile 500jährige Tradition in der Feldarbeit.
Etwas abseits der Kirche steht auf dem begrünten Platz zwischen Schmiedebrink und Büdnerstraße das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Am 8. Mai 2005 wurde das Denkmal um einen Stein zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und dessen Folgen erweitert.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen Wismar-Schwerin, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001