Dorfkirche Prestin (Gemeinde Bülow)
Petrus-Kirche

Den Überlieferungen nach wurde um 1163 die erste Kirche aus Holz erbaut und um 1270 wurde im Auftrag von Petrus von Pressentin die heutige Kirche errichtet. Die Feldsteinkirche zeigt Architekturdetails aus Backstein. Die Stützpfeiler und der Westgiebel aus Fachwerk stammen aus späterer Zeit. Im Jahr 1703 brachte nämlich ein Sturm den Westturm zum Einsturz, so dass die Westseite wiederhergestellt werden musste. Im Zuge der Umbauarbeiten wurde der Haupteingang an die Westseite verlegt und das Südportal zugesetzt. 1704 wurde der freistehende Glockenturm errichtet und die drei unbeschädigt gebliebenen Glocken aus dem Mittelalter darin aufgehängt. Heute hängt nur noch 1 Glocke im Glockenstuhl. Der gotische Ostgiebel mit der siebenteiligen Staffelblende blieb erhalten, 1850 wurden die Fenster neugotisch verändert.
Der Innenraum ist mit einer flachen Holzbalkendecke überzogen.
Die Ausstattung wurde im Wesentlichen von der Familie v. Pressentin gestiftet, deren Stammsitz bis ins 19. Jahrhundert Prestin war und die über die Jahrhunderte das Patronat der Kirche innehatte. Nach einer Renovierung wurde im Juni 1999 die Kirche wieder eingeweiht.
Der Altaraufsatz ist eine Renaissancearbeit unter Verwendung älterer, bereits vorhandener Schnitzfiguren. Die schlichte Kanzel mit Aufgang ist eigentümlich in das Chorgestühl integriert. Hinter der Kanzel steht im Altarraum eine Kleinorgel, 1976 von der Firma Nußbücker in Plau gebaut, kam sie 2007 aus der Freikirche in Crivitz nach Prestin. Die Taufe mit Evangelistenbildern und die Taufschale aus Messing wurden 1856 der Kirche geschenkt. Eine ältere Taufe wurde dem Landesmuseum in Schwerin übergeben. Im Kirchenraum steht ein gusseiserner Ofen von den Eisenwerken Kaiserslautern aus dem Jahr 1895. An der Südwand hängt eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs; an der Nordwand hängt das Veteranenverzeichnis der Feldzüge 1808-1815. Gemeindekastengestühl und Westempore (wohl 18. Jh.) komplettieren die Ausstattung. Auf der Westempore steht eine Orgel von Julius Schwarz, Orgelbauer aus Rostock, aus dem Jahr 1892.
Im Altarraum erinnert eine Inschrift auf dem Fußboden an die seit 1270 bis 1808 in der Gruft unter der Kirche beigesetzten Angehörigen der Familie von Pressentin. 1808 baute die Familie eine Grabkapelle an der Nordseite der Kirche. 1872 hat die Familie das Gut Prestin verkauft, die Kapelle blieb aber im Familienbesitz.
Die Kirche ist von einem Friedhof umgeben, darauf sind auch ehemalige Pastoren der Kirche begraben.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen Wismar-Schwerin, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001