Dorfkirche Unter Brüz (Gemeinde Diestelow)

Die wuchtige Feldsteinkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand wohl in zwei Bauphasen (um 1260/70).
Der Turm stammt wohl aus einer noch älteren Wehranlage (um 1220, Wandstärke 2,20 m), seine Spitze fiel 1648 auf das Langhaus und zerstörte das Gewölbe, seit 1821 gibt es eine Holzdecke. Die Glockenstube und das Pyramidendach entstanden um 1770. Das spitzbogige Stufenportal auf der Westseite wurde 1880 in den Turm eingebaut. Bis dahin war der Turm als Wehrturm nur über das Kirchenschiff zu betreten.
Vermutlich wurde das Kirchenschiff an den Turm angebaut. Die Feldsteinquaderung und die Dreifenstergruppen sowie das zugesetzte Stufenportal der Laienpforte auf der Schiffsüdseite verweisen auf eine Entstehung im 13. Jahrhundert. Die Totenpforte auf der Nordseite des Schiffes wurde ebenfalls zugemauert.
Der Chor aus Backstein wird wohl auch noch Ende des 13. Jahrhunderts angefügt worden sein. Ecklisenen, Bogenfries, rundbogige Putzblenden und das Giebelkreuz deuten ebenfalls noch auf eine spätromanische Bauzeit hin. An die Priesterpforte der Südwand wurde später eine Gerbekammer (Sakristei) angefügt.
Alle mittelalterlichen Kunstwerke der einst reich ausgestatteten Kirche sind bis auf die 1441 von MONKEHAGEN gegossene Glocke verschollen. Die Renaissance-Kanzel wurde 1676 von H. Schnepel gestiftet. Auch das prächtig geschnitzte Chorgestühl stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die Wappenbeschläge an der hufeisenförmigen Westempore zeigen den Stammbaum der ehemaligen Gutsherrenfamilie v. Passow auf Grambow. Die Orgel wurde 1871 von Friedrich Friese (III) gebaut.
Von 1957 bis 1963 erfolgten eine Dachsanierung, die Neuverglasung der Fenster, die Emporenveränderung und die Umgestaltung des Altarraumes durch den Rostocker Künstler Lothar Mannewitz. Er schuf auch das Kreuz auf dem mittelalterlichen Altarblock.
Der Kirchhof ist als Friedhof gestaltet. Im Südosten befinden sich Familiengrabstätten, u.a. auch wieder von der Familie v.Passow. In der südöstlichen Ecke steht eine kleine Trauerhalle. Im Süden der Kirche steht der efeuumrankte Findling mit der Namenstafel der im Ersten Weltkrieg Gefallenen aus dem Kirchspiel Brüz.

Quellen:
Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Parchim, Buch, ZEBI u. START e.V., Edition Temmen, 2001