Friedhof Groß Helle (Gemeinde Mölln)
Erbbegräbnis der Familie von Flügge

Groß Helle fand 1363 eine erste urkundliche Erwähnung. Im 15. Jahrhundert und ab 1785 war die Familie von Maltzan im Besitz des Gutes. Von 1816 bis zur Enteignung 1945 gehörte das Rittergut dann der Familie von Flügge. Unter ihrer Herrschaft wurde das Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Gutshaus zu seinem heutigen Aussehen umgebaut.
Der Friedhof gehört heute zur ev. Kirchengemeinde Mölln. Er befindet sich auf einer Anhöhe am östlichen Dorfausgang. Gleich hinter dem eisernen Tor erstreckt sich rechter Hand das Erbbegräbnis der adligen Familie von Flügge.
Das rechteckige Mausoleum ist von einem schmiedeeisernen Zaun und regelmäßig angeordneten Säulen umgrenzt. Die Kapitelle der klassizistischen Säulen sind mittlerweile fast vollzählig heruntergeschlagen, ihre Reste werden an der Gebäudeseite aufbewahrt. Der Wappengiebel des Eingangstores wurde ebenfalls heruntergenommen und lagert auf der anderen Seite des Gebäudes. Er zeigt das Familienwappen derer v. Flügge.
Das weiß verputzte Mausoleum trägt klassizistische Züge. Die Gebäudeecken werden durch quadratische Pfeiler hervorgehoben. Auf dem Giebelfirst prangt ein Kreuz. Ein großes rundbogiges Tor gibt Einlass, darüber wurde die Inschrift "Herr deine Todten werden leben" angebracht, über der Inschrift sitzt ein kleines Okulus. Vor dem Mausoleum befinden sich vier Grabstätten. Wilhelm Ernst Rudolf Heinrich Eberhard von Flügge wurde am 17. April 1825 in Groß Helle geboren. 1844 absolvierte er das Gymnasium in Friedland und studierte dann bis 1848 in Berlin und Heidelberg Rechtswissenschaften. Am 26. April 1851 vermählte er sich mit Antonie von Flügge geb. Hochstaedter (1826-1887). Wilhelm v. Flügge betrieb praktische Landwirtschaft und kaufte bald darauf das Gut Speck im Kreis Regenwalde in Pommern. Hier wurde er zum Politiker. Von 1874 bis 1893 war er für die Konservative Partei Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Naugard-Regenwalde. Laut Grabstein starb er am 18.(!) Juni 1898 auf seinem Gut in Pommern und wurde dann in Groß Helle bestattet (Wikipedia gibt den 16. Juni 1898 als Todestag von Friedrich Wilhelm v. Flügge an, dieser ist aber der Vater [1785-1869]). Neben seinem Grab befinden sich die beiden Gräber seiner Söhne, Wilhelm, königl. Major a.D. (1857-1922), gest. zu Gr. Helle, und Eberhard Wilhelm Henning, kaiserl. Regierungsrath (1861-1901), gest. zu Daressalam in Deutsch-Ost-Afrika, bestattet am 25.08.1902 in Gr. Helle. Eine Tafel an der Seite des Mausoleums nennt die nicht in Groß Helle ruhenden Mitglieder der Familie von Flügge, u.a. den NS-Widerstandskämpfer Wilhelm v. Flügge (1887-1953). Der letzte Eintrag auf der Tafel ist auf das Jahr 2012 datiert.
Auf dem Friedhof befinden sich weitere ältere Gräber. Gegenüber dem Mausoleum befindet sich die Grabstätte des königl. preuß. Hauptmann a.D. und Kammerherrn Theodor von Kries (1868-1938). Ein wenig entfernt davon befindet sich eine Kriegsgräberstätte des Zweiten Weltkriegs. Im Dorf steht ein großer geschliffener Findling mit verwitterter Inschrift zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die Namen der Gefallenen nennt eine kleine und bereits stark beschädigte Gedenktafel in der Dorfkirche von Schwandt, im dortigen Mausoleum-Anbau.
(weitere Quellen: Wikipedia, Gutshäuser in Mecklenburg)