Dorfkirche Grischow b. Altentreptow

Der rechteckige Putzbau mit Treppengiebeln wurde 1829/30 unter Verwendung von Mauerresten der 1825 bei einem Großbrand zerstörten Kirche und nach Plänen des Anklamer Landesbaumeisters BROCKNAU gebaut.
Ein schlanker Westturm (36,4 m) aus Ziegel wurde 1858 angefügt.
In der Glockenstube hängt eine Bronzeglocke von 1827, gegossen bei den Gebr. Schwenn in Stettin unter dem Provisorate des Pastors Ludwig Thilo und der Vorsteher VOSS und BEUSTIER. Die Rückseite zeigt das 'Auge Gottes' über einem Bibelvers. Das zweite Joch im Glockenstuhl ist leer, vermutlich musste eine zweite Glocke in den Weltkriegen zu Rüstungszwecken abgeliefert werden.
Die Kirche wird über das Südportal betreten, auch der Westturm verfügt über ein Eingangsportal. Der Innenraum ist mit einer flachen, kassettenförmigen Bretterdecke geschlossen und die Wände mit einer Quaderung bemalt. Gemalte Schriftrollen über Altar und seitlich der Orgel sowie über dem Südportal zeigen biblische Verse.
Zur neugotischen Ausstattung gehört ein Altaraufsatz mit eindrucksvollem Altarbild, das eine vielköpfige Kreuzigungsszene zeigt. Auf der Rückwand ist notiert, dass das Altarbild am Tage Bonifatius im Jahre 1855 durch Pastor Ludwig Thilo und zwei weitere Herren angekauft wurde. Das Antependium (Altartuch) zeigt das Lamm Gottes mit Siegesfahne. Den Altar flankieren die beiden schlanken Fenster der Ostwand mit ihren figürlichen Glasmalereien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das linke Fenster zeigt den Lieblingsjünger Jesu und Evangelisten JOHANNES, das rechte den Apostel PAULUS. Beide Glasfenster wurden Anfang der 1990er Jahre ausgebaut und waren viele Jahre ausgelagert. Erst nach vollständiger Sanierung der zwischenzeitlich wegen Einsturzgefahr geschlossenen Kirche gelangten die Fenster wieder an ihren angestammten Platz. An der nördlichen Wand im Altarraum steht die Kanzel, ohne Schalldeckel, aber mit Aufgang und Verschlag, der auch als Beichtstuhl genutzt werden kann. An der Südwand steht ein flaches Chorgestühl. Hier saßen früher wohl die begüterten Bauern, denn Grischow war ein Bauerndorf und hatte keinen Gutsherrn, der gleichzeitig auch Patron der Kirche gewesen wäre.
Zwanzig Namen nennt die Gedenktafel für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder, die an der südlichen Seite der Ostwand aufgehängt ist. Im preußisch-österreichischen Krieg 1866 und im Krieg gegen Frankreich 1870/71 fielen jeweils zwei Grischower. Ihrer wird auf einer Tafel an der Nordwand gedacht. Das Massensterben setzte dann 1914 ein, im Ersten Weltkrieg fanden 18 Gemeindemitglieder den Tod. Ihnen widmet sich die Brüstung der Westempore. Westempore und Gemeinde-Kastengestühl sind einheitlich mit einem Farbanstrich in braunen Tönen versehen. Auf der Empore steht eine große Orgel mit dreiteiligem Prospekt. Das zweimanualige Instrument wurde 1875 als Werk Nr. 161 von Barnim Grüneberg in Stettin gebaut.
Ältestes Ausstattungsstück ist zweifellos die romanische Tauffünte aus Granit. Ihre Besonderheit neben dem Alter besteht darin, dass anders als üblich nur drei statt sonst vier Masken an der Kuppa zu sehen sind. In der Deutung dieser Maskenköpfe gibt es unterschiedliche Ansätze. Der geläufigste wird im Ersten Buch Mose, 2. Kapitel, Verse 10-14 beschrieben und meint die vier Urströme des Paradies, die sich in die Himmelsrichtungen ergießen. Dieser Ansatz lässt sich hier bei drei Maskenköpfen nicht so recht finden. Die Anordnung der Masken aber unterstreicht, dass es auch nur drei sein sollen. Eine Erklärung bleibt also offen, auch dahingehend, dass man ein Frauengesicht und zwei Männergesichter erkennen könnte.
Neben der mittelalterlichen Tauffünte, die lange Zeit gar nicht in der Kirche gestanden hat, sondern als Blumenschale oder Wasserbrunnen im Pfarrgarten genutzt wurde, gibt es einen bronzenen Taufständer, welcher im 19. Jahrhundert angeschafft wurde.
Am 11. April 2000 gründete sich der Förderverein zur Erhaltung und Nutzung der Dorfkirche Grischow e.V., der sich ab sofort um die Erhaltung der schon fast zum Abriss freigegebenen Kirche bemühte. Zwischen 2001 und 2004 wurden Fundament, Turm und Dach komplett erneuert. Die Turmuhr erhielt 2004 eine elektrische Anlage. Das alte Uhrwerk steht im Turmobergeschoss.
Der Kirchhof ist als Friedhof gestaltet. Reste der Friedhofsmauer aus Feldstein stammen aus dem 18. Jahrhundert, andere aus Backstein sind aus dem 19. Jahrhundert; das denkmalgeschützte, zweiteilige Backsteinportal im Norden wurde bereits im 16. Jahrhundert errichtet. Im Südwesten der Kirche steht außerhalb des Friedhofes eine Trauerhalle im neugotischen Stil. Vor der Trauerhalle steht das Kriegerdenkmal mit den achtzehn Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Grischower.
(weitere Quellen: Informationstafel an der Kirche, Informationsblätter des Fördervereins Stand: 10.09.2016)