Dorfkirche Pinnow (Gemeinde Breesen)

Der Bau aus Eichenfachwerk mit einem kreuzförmigen Grundriss und polygonalem Chorschluss wurde zu Anfang des 18. Jahrhunderts unter Werner Friedrich von Klinggräff errichtet und 1709 fertiggestellt. An gleicher Stelle gab es mehrere Vorgängerkirchen, wovon eine für das Jahr 1621 belegt ist. Diese Kirche wurde im 30jährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen, 1648 wurden Reste des Glockenturmes vom Sturm umgeworfen. Von den drei Glocken, die älteste stammt aus dem Jahr 1473, wurde eine nach Breesen verliehen. Der vorgesetzte "neue" Westturm mit einem schiffsbreiten Untergeschoss aus Backstein stammt aus dem Jahr 1907. Über dem Eingangsportal befindet sich eine in Stein gehauene Inschrift: 1709 Werner Friedrich erbaute mich, 1780 Christian Friedrich bessert mich, 1907 Conrad neuert mich  Soli DEO gloria. Die Westfassade wurde aus behauenen Feldsteinen errichtet, die quadratisch eingezogene Glockenstube trägt ein ziegelgedecktes, spitzes Pyramidendach, die Schallluken, Fenster und sonstigen Schmuckelemente wurden im neoromanischen Stil gestaltet. In der Glockenstube steht ein zweijochiger Glockenstuhl mit einer Glocke, gegossen unter dem Patronat der Gebrüder L. und F. v. Klinggräff von C. Illies in Waren im Jahre 1855, eine ebensolche zweite Glocke fiel der Kriegswirtschaft zum Opfer.
Das Fachwerk der Kirche ist vierfach verriegelt, die Figur "Halber Mann" tritt im Chor an der Ostwand und an den Ecken zu den Querschiffen auf.
Das südliche Querschiff dient als Eingangsvorhalle und hat eine niedrige, schön gestaltete, alte Holztür. Dieser zweigeschossige Vorbau stellt ein für die Barockzeit typisches Bauglied dar.
Die rechteckigen Fenster sind mit Segmentbogen abgeschlossen, bei den kleinen Giebelfenstern in den Querschiffen fehlt der Bogen.
Der Innenraum ist flachgedeckt und die Decke mit kräftigen Balken abgestützt. Der nördliche Zugang zur Sakristei bzw. Leichenhalle wurde dauerhaft verschlossen.
Zur Innenausstattung gehören:
eine Kanzel mit Evangelistenfiguren an den Korbwangen und Schalldeckel mit Engelsfigur,
ein flacher hölzerner Altaraufsatz mit zwei aufgestellten Apostelfiguren, in deren Mitte Christus am Kreuz mit Strahlengloriole, durchbrochene Altarschranken, ein umlaufendes Chorgestühl, mit floralen Motiven bemalt, eine achteckige, hölzerne Taufe mit neugotischem Maßwerk, Taufschale aus Messing mit Inschrift, die Patronatsempore über dem Südportal, mit gemalten Allianzwappen der Familie v. Klinggräff und die Westempore, ebenfalls mit floraler Bemalung, sowie das Gemeindekastengestühl aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zwei Gipsfiguren, vermutlich Kirchenväter darstellend, schmücken die Stützpfeiler der Westempore. Auf der Westempore steht ein Harmonium von 1873. Im südlichen Eingangsbereich hängt an der Wand eine Tafel zum Gedenken an den die Kirche maßgeblich gestaltenden Kirchenpatron Christian Ludwig Carl v. Klinggräff (1728-1808). Sieben kleine Täfelchen nennen die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder. Sie sollen bald wieder einen Platz an der Kirchenwand finden. 1924 schenkte die Kirchgemeinde ihrem Patron Kammerherr Konrad v. Klinggräff anlässlich seiner Silberhochzeit einen elektrischen Kronleuchter. Er wurde am 1. Adventssonntag 1924 in Gebrauch genommen.
Zwischen 1985 und 1989 wurde die inzwischen stark baufällige Kirche umfangreich restauriert. Dabei half die Familie v. Klinggräff, nach 1945 enteignet und vertrieben, mit Geld und Baumaterial aus dem "Westen" aus, ließ Teile der Kanzel nachschnitzen und die Wetterfahne neu schmieden. Am Heiligabend 1989 konnte nach vielen Jahren wieder ein Gottesdienst in der Kirche abgehalten werden.
Eine weitere Sanierung der Kirche erfolgte 2014-2015 in Verantwortung der Pastorin Britta Carstensen.
Zu den Kleinkunstwerken der Kirche gehören ein silberner Kelch mit zugehöriger Pathene und Oblatendose, welche nach dem Sieg über Napoleon von Major Bernhard Heinrich v. Klinggräff (1751-1820) der Kirche gestiftet wurden, nachdem diese 1813 ihren alten Kelch als Beitrag zur Befreiung des Vaterlandes geopfert hatte.
Der Zugang zum als Friedhof angelegten Kirchhof erfolgt durch das Eingangsportal in der gemauerten Friedhofsmauer, dort am Portal prangt das Wappen der Herrschaftlichen Familie von Klinggräff, westlich vor der Kirche befindet sich die offene Begräbnisstätte der Familie v.Klinggräff.
Der Ort Pinnow wird im Zusammenhang mit einem Tauschhandel des Pommernherzogs Wartislaw und des Klosters Dargun im Jahr 1226 erstmals urkundlich erwähnt.
Von 1668 bis 1700 befand sich das Dorf im Besitz des Raimar Ernst Voss auf Chemnitz, der seinen Besitz später an Werner Friedrich von Klinggräff und dessen Bruder verkaufte.
1863 wurde Pinnow zum Hauptdorf ernannt, da es bisher nur Nebengut von Chemnitz war, zu dieser Zeit ließ Friedrich von Klinggräff, Gutsbesitzer von Pinnow und Chemnitz das Gutshaus in Pinnow erneuern.
Die Familie von Klinggräff besaß das Gut vom 18. Jahrhundert bis zur Enteignung 1945.

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Wir lassen die Kirche im Dorf - Dorfkirche Pinnow, Flyer, Angelika Hohm, Förderverein denkmalgeschützte Kirchen Breesen und Pinnow e.V., 1916