Dorfkirche Ducherow

1307 wird Nicolaus Kerchere in Ducherow als Pastor benannt. Das ist der älteste Hinweis auf eine Kirche und die Ducherower Ortschaft. Wenn der heute noch vorhandene ursprüngliche Findlingsbau tatsächlich aus dem Ende des 13. Jahrhundert stammen sollte, würde er zu den ältesten Kirchen der Region gehören. Doch das ist sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist der 1657/58 im Zuge des Schwedisch-Polnischen Erbfolge-Kriegs (1655-1660) bis auf den Ostgiebel niedergebrannte Feldsteinsaal ein Nachfolgebau aus dem 15. Jahrhundert. Er erhielt sein barockes Erscheinungsbild im Zuge des Wiederaufbaus, der in den Jahren 1718-1744 unter dem Patronat des preußischen Generalfeldmarschalls Curd Christoph von Schwerin auf Schwerinsburg, der auch Gutsherr von Ducherow war, durchgeführt wurde. Baudirektor war Andreas Christoph Neumann. Durch den Verputz, die Eckrustika, die hohen Rundbogenfenster mit ihren Faschen und den dreigeschossigen Westturm mit Welscher Haube bekommt die Kirche nun einen völlig anderen Charakter. Der Ostgiebel zeigt segmentbogige Staffelblenden mit einer Kreisblende auf der Spitze sowie Fialaufsätze auf der Giebelkante. An einem Stück freigelegtem Mauerwerk ist eine Ritzquaderung zu erkennen. An der Südseite gibt es ein vermauertes Spitzbogenportal. Das dort befindliche klassizistische Wandgrab der Grafen von Schwerin mit seiner Säulenädikula wurde Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts angebracht. Das Untergeschoss des Turmes weist eine Lisenengliederung auf. Sein segmentbogiges Westportal sitzt in einer rustizierten Wandvorlage, entsprechend auch einige der rundbogigen Turmfenster, diese sind z.T. segmentbogig übergiebelt. Im Turm hängt die einzige erhaltene alte Bronze-Glocke von 1472, zwei weitere aus Gusseisen kamen 1957 dazu. Ein Glockenspiel mit acht mechanisch angetriebenen Bronzeglocken wurde 1914 von Graf Ulrich von Schwerin gestiftet; die im Zweiten Weltkrieg ausgebauten Glocken wurden 1997 ergänzt und das Spielwerk instand gesetzt, seitdem erklingt wieder dreimal am Tag eine andere Melodie („Wach auf mein Herz und singe“, „Jesu geh voran auf der Lebensbahn“ und „Nun ruhen alle Wälder“). Der Innenraum ist seit dem 18. Jahrhundert mit einer Voute flachgedeckt. Teile der bemalten ursprünglichen Balkendecke wurden im Turm wieder verwendet. Unter dem Altarraum gibt es eine barocke Gruft, die seit 1860 verschlossen ist. Der Kanzelaltar besteht aus einer barocken Kanzel aus dem 17. Jahrhundert, die zunächst von einer Mosefigur getragen wurde und links vom Altar aufgestellt war und in der Mitte des 19. Jh. bei der Umgestaltung des Altarraumes mit dem Altar verbunden wurde. Der polygonale, durch aufwendige Blattranken und Säulen mit Kapitellen gegliederte Korb zeigt auf Gemälden in Rahmungen den Auferstandenen in der Mitte und vier Apostel mit ihren Attributen (Jakobus mit Pilgerstab, Johannes mit Giftbecher und Adler, Paulus mit Schwert, Petrus mit Schlüssel). Die Rückwand wird von einer freiplastischen Figurengruppe besetzt, zu Seiten Christi die vier Evangelisten jeweils mit Buch & Attribut, darüber der Schalldeckel mit einer Taube. Am Kanzelfuß als Predella ein Abendmahlsgemälde. Das neugotische Altargehege aus dem Achteck zeigt in den Feldern Vierpässe in Kreisblenden, das zugehörige Pastorengestühl mit spitzbogigen Maßwerkblenden und durchbrochener Brüstung. Die Westempore mit Ausläufern an Nord- und Südseite stammt aus der Zeit der Wiederherstellung der Kirche im 18.Jh. und wird von vier Säulen getragen und von zwei Säulen zur Decke abgestützt. Die Orgel ist um 1850 von der Stettiner Firma F.W. Kaltschmidt hergestellt worden und zählt zu den wenigen erhaltenen Instrumenten dieser Orgelbaufirma; 2006 konnte sie restauriert werden.

Quellen:
Vom Greifswalder Bodden bis zur Peene - Offene Kirchen II, Broschüre, Arbeitsgemeinschaft für Pommersche Kirchengeschichte e.V., Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006