Dorfkirche Carwitz (Gemeinde Feldberger Seenlandschaft)

Im Mittelalter war Carwitz selbstständige Pfarre im Bistum Brandenburg. 1534 gehörten dazu die Kapellen in Feldberg, Laeven und Hinrichshagen (Lüttenhagen). Im 30jährigen Krieg wurde wahrscheinlich die alte Kirche zerstört, jedenfalls ging die Pfarre ein.
Die heutige rechteckige Fachwerkkirche wurde 1706 errichtet. Ein geböschter Holzturm wurde im Westen vorgesetzt. Dieser Turm musste 1912 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Die beiden Bronzeglocken (1859, 15.Jh.) mussten im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert werden. In dem auf der Nordseite befindlichen freistehenden Glockenstuhl hängen seit 1920 zwei Stahlguss-Glocken aus der Vereinsgießerei Bochum.
Im 20. Jahrhundert wurden die Gefache mit modernen Ziegeln neu verfüllt, nur ein Teil der Südwand zeigt noch die ursprünglichen Backsteine. Auf der Südseite befindet sich eine kleine Eingangsvorhalle.
Zur Ausstattung gehört ein zusammengesetzter Kanzelaltar. Besonderheit sind die dabei verwendeten Teile eines spätmittelalterlichen Schnitzaltares aus einer Lübecker Kirche. Die beiden Altarflügel sind an den Seiten der Altarrückwand angesetzt. Die linke Seite zeigt oben die Apostel Jakobus und Andreas sowie unten die heilige Agnes (mit Lamm) und den Apostel Petrus (der Schlüssel fehlt). Die rechte Seite zeigt oben Maria und Elisabeth sowie darunter die Apostel Matthias (nachberufen für Judas Ischariot) und Bartholomäus. Die Flügelrückseiten zeigen im zusammengeklappten Zustand die Verkündgungsszene zwischen Maria und dem Erzengel Gabriel. Auf den Flügeln stehen zudem noch zwei große Figuren. Links steht Maria mit dem Kinde und rechts Johannes. Eine weitere Großfigur war lange Zeit zentral am Kanzelkorb angebracht. Hierbei handelt es sich um die Figur des Hl. Valentins, dargestellt als Bischof. Die Figur hängt heute an der Nordwand im Altarraum; sie wurde zudem in den 1960er Jahren mit Ölfarbe angemalt, wie auch der gesamte Altar mit einer weißen Ölfarbe übertüncht worden war. Die Teile wurden inzwischen wieder von der weißen Farbe befreit - der gesamte rechte Teil befindet sich zudem gerade (08/2015) in Dresden zur Restaurierung. Auch ein Triumphkreuz, ebenfalls an der Nordwand hängend, stammt aus der Zeit um 1500. Ob es ebenfalls zum Flügelaltar gehörte, ist nicht hinlänglich bekannt. Der Kanzelkorb und der Schalldeckel sind stilmäßig auch nicht eindeutig bestimmbar (KRÜGER spricht von Renaissanceformen). Vielleicht handelt es sich um die Kanzel aus der zerstörten Vorgängerkirche. Die Altarrückwand zeigt jedoch eindeutig klassizistische Züge (M.19.Jh.).
Auf diese Entstehungszeit lässt auch die von Ernst Sauer 1860 gebaute Orgel schließen. Der "Autodidakt im Orgelbau" wurde 1799 in Karlsburg bei Anklam geboren, gestorben ist er 1873 in Friedland. 1820 kaufte er eine Schmiede in Schönbeck und arbeitete dort in diesem Handwerk. 1835 überrascht er seine Heimatgemeinde mit der Frage, ob er eine Orgel in der Kirche aufstellen dürfe; diese wird dann im November vom Neustrelitzer Kantor MESSING abgenommen, der das Talent von SAUER erkennt und eine Förderung beim Großherzog empfiehlt. So geht Ernst Sauer 1836 für ein halbes Jahr in die 'Lehre' zum Orgelbauer RATZMANN nach Ohrdruf/Thüringen. Die Carwitzer Orgel ist eines seiner letzten Instrumente. SAUER baute keine handwerklich hochwertigen Instrumente. Für die Metallpfeifen verwendete er meistens Zink. Sein Sohn Wilhelm Sauer (1831-1916) eröffnete 1857 seine eigene Werkstatt in Frankfurt/Oder und führte sie zu einem europaweit bekannten Unternehmen.
Zur Ausstattung gehören noch die Emporen und das Gemeinde-Bankgestühl.
An der Nordwand sind vier Gedenktafeln für die Gefallenen der letzten Kriege angebracht.
Vor der Kirche steht ein großes Kriegerdenkmal.
Der Kirchhof ist von einer Feldsteintrockenmauer umgeben.
Im Ort befindet sich das ehemalige Wohnhaus von Hans Fallada (1893-1947), heute als Museum. Die Grabstätte des Schriftstellers befindet sich auf dem alten Friedhof (Carwitzer Str. 23). Am Ortseingang (Carwitzer Str. 59) befindet sich zudem noch ein neuer Friedhof mit Trauerhalle.
(weitere Quellen: Informationsblatt vor der Kirche, Ausstellungskatalog des Meckl. Orgelmuseums, Mitteilungen von Herrn Wunsch während der Besichtigung)

Quellen:
Dorfkirchen in Mecklenburg, Buch, Horst Ende, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1975