Dorfkirche Lüssow b. Gützkow

Der kleine Backsteinsaal mit dem dreiseitigen, leicht eingezogenen Ostschluss aus dem 15. Jahrhundert sieht auf den ersten Blick ungewöhnlich aus, weil zum Einen 1843 im Westen ein neugotischer Gruftanbau für die Familie v. Wolffradt entstand, der seit 1961 als Winterkirche genutzt wird; und zum Anderen bei der umfassenden Renovierung 1878 ein schlanker Süd(!)turm in neugotischen Formen angebaut wurde. Der Gruftanbau überdeckt das Stufenportal in der Westwand und die Renovierung schuf eine starke Veränderung der Fenster. Am Chor befinden sich neugotische Dreifenstergruppen, das gotische Fenster in der Ostwand wurde vermauert. Am Westgiebel sieht man gestaffelte Maßwerkblenden.
Am dreigeschossigen Turm befindet sich ein Südportal in einer giebelbekrönten Wandvorlage; seitlich sind die Wappen der Patronatsfamilie von Wolffradt angebracht. Die Geschosse sind durch Zahnfries und Sohlbankgesims abgesetzt, unter dem schiefergedeckten Pyramidenhelm sitzt ein abschließender Konsolfries.
Der Innenraum schließt mit einer schweren Kassettendecke, die wie auch die hölzerne Wandverkleidung aus dem Jahr 1878 stammt.
Die qualitätvolle barocke Ausstattung von 1724/25 stammt aus der Werkstatt des Stralsunder Meisters Elias Keßler und besteht aus Altaraufsatz, Altarschranken, Taufengel und Lesepult. Der Altaraufsatz mit architektonischem Aufbau zeigt die Stifterwappen v.Wolffradt und v.Eickstedt. Auch der Aufgang und der Schalldeckel der Kanzel stammen von Elias Keßler, der Korb mit den Gemälden in den Wangen entstand bereits um 1630, die Gemälde an der Treppenbrüstung aber erst im 19. Jahrhundert.
Die Orgel ist ein Instrument von Friedrich Friese (III) aus dem Jahr 1878 mit neugotischem Prospekt. Das Kasten- und Bankgestühl stammt aus dem 18./19. Jahrhundert. Aus der Zeit der großen Renovierung stammen die Fensterverglasung, der Fußboden mit Metlacher Kacheln, das einheitliche Teppichmuster mit Vierpaßrosetten und die Randbordüren mit Weinlaub.
Im Turm hängen zwei Glocken, eine 1829 von Simon Zach, Stralsund umgegossen und die andere von 1925.
Der Kirchhof mit Friedhof ist von einer Feldsteinmauer umschlossen.

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Vom Greifswalder Bodden bis zur Peene - Offene Kirchen II, Broschüre, Arbeitsgemeinschaft für Pommersche Kirchengeschichte e.V., Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006