Dorfkirche Liepen

Mit dem Feldsteinsaal wurde bereits in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen. Der Backsteinchor und die Nordsakristei sind jüngeren Ursprungs. Eine vermutlich barocke Südvorhalle wurde aus Feldstein mit Fachwerkgiebel angefügt.
Anstelle des 1884 abgebrannten Fachwerkturmes von 1706 wurde in den Jahren 1885-1887 nach einem Entwurf von Friedrich Adler, Berlin, ein Westturm mit hohem Feldsteinuntergeschoss und Backsteinobergeschossen in neugotischen Formen errichtet. Auch die Fenster erhielten zu dieser Zeit eine neugotische Erneuerung.
Der Chor zeigt Ecklisenen mit Fialaufsätzen. Der Ostgiebel ist reich blendengeschmückt. Über einem Vierpassfries stehen, gespiegelt angeordnet, zwei Blendenpaare mit Kleeblattbögen in Spitzbogenrahmung. Die Spiegelachse wird von einem ausgesparten Blendenkreuz gebildet.
Der Giebel der Nordsakristei zeigt den gleichen, aber vereinfachten Blendenschmuck.
Die Fenster- und Portalgewände am Schiff sind in Backstein ausgeführt; die spitzbogigen Fenster sind z.T. gepaart und tragen ein gefastes Gewände. Die gepaarten Chorfenster haben eine reich profilierte Spitzbogenrahmung. Das gedrückt spitzbogige Ostfenster wurde zugesetzt. An der Schiffsnordseite befindet sich ein reich profiliertes Rundbogenportal mit Fasen und Kehlen im Gewände; das Portal wurde vermauert. An der Westecke markieren kräftige Stützpfeiler den Übergang zum Turm.
Über dem abgesetzten Granitsteinuntergeschoss des Turmes schließt sich ein lisenengegliedertes Uhrgeschoss an. Die beiden modern gestalteten Ziffernblätter der Turmuhr zeigen christliche Symbolik: auf der Nordseite - Fische, auf der Westseite - ausgebreitete Hände mit Taube.
Die Glockenstube besitzt gepaarte Schallöffnungen mit eingestelltem Rundstab. Über einem Vierpassfries schließt sich die vierseitige Giebelbekrönung mit dem vereinfachten Blendenmotiv des Ostgiebels an. Ein achtseitiger, kupfergedeckter Spitzhelm schließt den Turm ab.
Der Innenraum ist mit einer Bretterdecke mit kräftigen Querbalken flachgedeckt.
Die Nordsakristei besitzt ein Kreuzgewölbe.
Die schlichte Ausstattung wird dominiert von dem zum Kanzelaltar zusammengesetzten Kanzelkorb, über der Altarmensa auf einer Steinkonsole aufsitzend. Der Korb mit Ecksäulchen, Beschlagwerk und Evangelistenreliefs in Ädikularahmungen datiert auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. Der kuppelförmige Schalldeckel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Am ebenfalls jüngeren Kanzelverschlag befinden sich weitere eliefs des 17. Jahrhunderts (Petrus, Christus, Adam).
An der Nordwand hängt ein auseinandergenommenes, geschnitztes Altarretabel aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts mit Heiligenfiguren.
Die Westempore zeigt an der Brüstung gemalte Tugenddarstellungen aus dem 18. Jahrhundert. Die Orgel ist das Werk Nr. 202 von Barnim Grüneberg, Stettin, 1879 mit neugotischem Prospekt gebaut.
Im südlichen Doppelfenster sitzen zwei kleine Kabinettscheiben aus dem Jahr 1681.
Das Geläut im Turm besteht aus drei Glocken aus dem Jahr 2000. Im Turmraum hängen die Gedenktafeln für die Veteranen der Kriege 1813 und 1870.
Die Kirche ist von einem Friedhof umgeben. Im Osten steht ein rundbogiges Backsteinportal aus dem 16. Jahrhundert. Vor dem Westeingang der Kirche steht eine 2009 von Jugendlichen der Kirchgemeinde nach eigenen Entwürfen unter Anleitung und Mithilfe des Bildhauers Raik Vicent geschaffene Skulptur "Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft". Sie wurde zum Gedenken aller Opfer von Krieg, Flucht, Vertreibung, Hunger und Leid gefertigt. Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges steht außerhalb des Kirchhofes am Ortsausgang am Straßenrand.

Quellen:
Vom Greifswalder Bodden bis zur Peene - Offene Kirchen II, Broschüre, Arbeitsgemeinschaft für Pommersche Kirchengeschichte e.V., Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006