Dorfkirche Groß Kiesow
St. Laurentius

Die Anfänge der Baugeschichte der Sankt-Laurentius-Kirche in Groß Kiesow gehen bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Die Wände des in dieser Zeit errichteten Chores sind aus Feldsteinen und die Gebäudekanten durch sorgfältig behauene, wechselseitig einbindende Quader betont. Die Architekturglieder sind in Backstein ausgeführt. Im Süden und Osten verläuft ein Rundbogenfries auf Dreieckskonsolen. Die südliche Priesterpforte und die Fenster sind spitzbogig und aus wechselnd glasierten und unglasierten Backsteinen ausgeführt, die Zwillingsfenster der Südwand mit vorgelegter Halbsäule, die östliche Dreifenstergruppe ist gestaffelt. Der Ostgiebel ist mit zwei Reihen verputzter Spitzbogenblenden, einem Zahnfries und einem Blendenkreuz geschmückt.
Das nach 1300 entstandene einschiffige Langhaus und das mit ungewöhnlich starken Mauern versehene Turmuntergeschoss wurden in Backstein ausgeführt, hingegen besteht das 1653 aufgesetzte Turmobergeschoss aus Fachwerk und wurde erst um 1800 mit Backsteinwänden ummantelt; seine geschweifte Haube mit offener Laterne dürfte damals zumindest erneuert worden sein.
An der Südseite des Schiffes sieht man einen seltenen Fries aus hochgestellten Läufern. Die Giebel zeigen steigende Spitzbogenblenden. Auch das südliche Stufenportal ist mit wechselnden glasierten Steinen betont.
Während der Chor von einem kuppeligen Kreuzgewölbe überspannt wird, ist das Schiff flachgedeckt, wurde aber mit Wandpfeiler mit breiten Schildbögen, deren Leibungen florale Ornamente zieren, auf Wölbung vorbereitet. Das um 1300 entstandene Gewölbe im Chor zeigt bemalte Rippen und rippenbegleitende Krabben. Die profilierten Fenstergewände wurden durch Architekturfarbigkeit hervorgehoben. Hinzuweisen ist auf die vier Wappenscheiben aus dem 17. Jahrhundert und die Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Eine Renovierung im Jahr 1980 verlieh dem Innenraum seinen etwas nüchternen Charakter. Die Ausstattung ist schlicht und weist kaum Besonderheiten auf. Der Altartisch und das Denkmal für die Opfer der Kriege, jeweils Holz mit Eisen, wurde 1988 von Volker Mixsa geschaffen. Die Taufstele aus Granit fertigte 1997 der Künstler Rainer Fest an. Eine Installation aus sechs Wachstafeln "The light is coming in the dark" schuf der polnische Künstler Pawel Nowak, sie ist schiffsseitig oberhalb des südlichen Triumphbogenscheitels angebracht. Die einfache Kanzel stammt aus dem 17. Jahrhundert. Ebenfalls am Triumphbogen fand das ehemalige Altarbild, eine Kopie der Kreuzigungsdarstellung nach Anton van Dyck, seinen Platz. Die Westempore kam um 1860 in die Kirche, die Orgel darauf stammt wohl von Matthias Fernau aus Stralsund und wurde 1862 gebaut.Das Südfenster des Schiffes erhielt 1920 eine besondere Form des Kriegerdenkmals, ein Buntglasfenster zum ehrenden Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder, vor dem Kirchhof steht aber auch noch der übliche Gedenkstein.
Im Turm hängen zwei Glocken. Eine Bronzeglocke aus dem Jahr 1651 wurde durch Simon Zach 1829 umgegossen. Die Stahlglocke wurde 1924 in Apolda Bockenem gegossen.
Auf dem von einer Feldsteintrockenmauer umgebenen Kirchhof stehen zahlreiche Grabwangen, guß- und schmiedeeiserne Grabkreuze sowie Grabstätten der Familie von Behr aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Der Zugang erfolgt durch ein spätgotisches Backsteinportal mit segmentbogiger Durchfahrt und Pforte sowie Putzblenden und Zahnfries.
Das angrenzende Pfarrhaus ist ein Ziegelfachwerkhaus mit Krüppelwalmdach wohl aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts.
 

Quellen:
Dorfkirchen Landeskirche Greifswald, Buch, Norbert Buske, Gerd Baier, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1984, 1987 2. Auflage
Vom Greifswalder Bodden bis zur Peene - Offene Kirchen II, Broschüre, Arbeitsgemeinschaft für Pommersche Kirchengeschichte e.V., Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006