Dorfkirche Boldekow

Die Dorfkirche in Boldekow ist ein rechteckiger Feldsteinbau des 15. Jahrhunderts mit einem vermutlich noch im 13. Jahrhundert entstandenen, kaum eingezogenen Rechteckchor, sein Ostgiebel mit schlichter fünfteiliger Staffelblende. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche wohl erst 1728 wiederhergestellt. Von dieser Erneuerung stammen der zweigeschossige Fachwerkturmaufsatz mit einer geschweiften Haube, die Formveränderung von Fenster und Portalen und der Verputz des Außenbaus. Im 19. Jahrhundert erfolgte eine erneute Renovierung. Die Fenster sind rundbogig, das 1950 durch einen Anbau verdeckte West- und das Südportal des Schiffes korbbogig, alle Öffnungen mit Faschen. An der Westwand tragen die Gebäudekanten Eck-Rustika.
Der Innenraum ist flachgedeckt. Die schlichte Holzausstattung stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts und besteht aus einem Kanzelaltar mit Aufgang und Pastorengestühl, einem Kastengestühl sowie einer Hufeisenempore. Auf der Empore eine Orgel von der Fa. Kaltschmidt, Stettin, gebaut 1852, mit einem dreiteiligen neugotischen Prospekt. Der Kanzelaltar besteht aus einem eckigen Korb mit Laubgehängen und Rahmungen, seitlich sind Säulen angebracht, die rechteckige Rückwand seitlich mit Rankenschnitzerei versehen und am Schalldeckel mit Strebekrone befindet sich das Wappen v. Schwerin, in der Bekrönung das geflügelte Herz Jesu.
Mittlerweile hängen wieder drei Pastorenbildnisse an der nördlichen Chorwand: J. F. C. Lüdicke (+ 1893); J. F. Sprengel (+ 1808); J. P. Adelung (+ 1759). Dazu findet sich an der linken Ostwand eine Tafel mit den Namen aller örtlichen Prediger seit der Reformation.
Ein Lesepult wurde 1730 von Friedrich Hauseler, Ziegelmeister gestiftet.
Der Fußboden von Chor und Schiff ist mit schwarz-weißen (beigen) Fliesen ausgelegt.
An der Nordwand im Schiff hängt eine große Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Davor steht die etwas beschädigte Granittaufe aus dem 14. Jahrhundert. Über dem Südportal wurde eine Gedenktafel zu Ehren der Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung in den Jahren 1939-1945 angebracht. Im westlichen Bereich der Südwand hängen Tafeln zum Gedenken an die Opfer der Kriege 1813-15 und 1870/71.
Der alte Opferstock aus dem Jahr 1636 steht am Südeingang. Im hinteren Bereich des Gestühls haben die wohlhabenen Familien in zum Teil geschlossenen Logen Platz genommen. An der Südwand erinnern Tafeln an die Verstorbenen der Familie Heidschmidt.
Auf dem Friedhof steht nördlich von der Kirche ein erneuerter Glockenstuhl in dem drei Glocken hängen, die 2003 nach Boldekow gekommen sind und bei der Fa. Bachert in Bad Friedrichshall / Heilbronn im Jahr 2000 gegossen worden sind, davor auf dem Boden die drei eisernen Vorgängerglocken aus dem Jahr 1923.
Bereits außerhalb des Ortes steht am Waldrand ein Denkmal für die Opfer beider Weltkriege.

Die beiden Kirchengemeinden Boldekow und Wusseken haben insgesamt 11 Dörfer mit sieben Kirchen und sieben Friedhöfen mit den Orten: Boldekow mit Putzar, Glien, Rubenow, Zinzow und Kavelpaß, sowie Wusseken mit Sarnow, Stretense, Panschow und Schwerinsburg.

Quellen:
Vom Grossen Landgraben bis zur Oder - Offene Kirchen III, Broschüre, Arbeitsgemeinschaft für Pommersche Kirchengeschichte e.V., Thomas Helms Verlag Schwerin, 2006

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